Reizthema
Mobil- und Kommunikationsfunk aus gesundheitlicher Sicht
Ulrich Warnke, Fak 8.4 Universität des Saarlandes, warnke@mx.uni-saarland.de
Technischer
Kommunikationsfunk ist nur möglich, weil keine natürliche HF-Strahlung stört
Technischer Kommunikationsfunk,
wie Mobilfunk, Radio und Fernsehen, sowie
Sattelitenkommunikation ist nur
deshalb möglich, weil die von der Natur ausgehende Strahlung und die vom Kosmos
eingestrahlten Felder innerhalb des technisch verwendeten
Hoch-Frequenz-Spektrums eine äußerst geringe Leistungsflussdichte haben. Die
natürliche HF-Strahlung der Sonne im Frequenzbereich 3-300 GHz liegt insgesamt
bei einer Leistungsflussdichte von <10 µW/m2. Zum Vergleich: Grenzwerte Deutschland D-Netz: 4,5
Millionen µW/m2,
E-Netz 9 Millionen µW/m2; UMTS
9,8 Millionen µW/m2,
Landes-Sanitätsdirektion Salzburg
präventiv im Innen-Wohn-Bereich 1
µW/m2.
In den Zeiten
unserer Evolution waren wir zwar zeitweise starken statischen und niederfrequenten elektrischen Feldern (Wolkenelektrizität
bis 10 000 V, Vulkanelektrizität bis 20 000 V, Blitz 500 000 V, Spherics 10 V) und immer statischen und niederfrequenten
Magnetfeldern (Erdfeld, kosmisches Feld, Blitz) ausgesetzt. Nie hatten wir aber
so vielfältige Interferenzen verschiedener Quellen mit verschiedenen Frequenzen
wie durch technisch erzeugte Felder.
Organismus-eigene HF-VHF-Strahlung zur
Selbstorganisation war evolutionär ebenfalls nur möglich, weil früher keine
Außenstrahlung störte
Die gleiche HF-Strahlung, die
technisch zur Kommunikation verwendet wird, ist umfangreich in
unserem Körper verwirklicht, dies
ebenfalls zur Kommunikation durch funktionelle
Eigenschwingungen unserer
Moleküle. Wenn in einem bestimmten Frequenzbereich keine von außen kommende
natürliche Störstrahlung existiert, dann kann die Evolution den Organismus mit
diesen Frequenzen für die Selbstorganisation ausstatten. Der Bereich 1-1000 GHz
strahlt innerhalb des menschlichen Körpers mit etwa 100 nW/m2, d.h. mit weit niedrigeren
Leistungsflussdichten als die Sonnenstrahlung in diesem Bereich. Summieren wir
den
gesamten HF- und VHF-Bereich
innerhalb unseres Organismus kommen wir zu natürlichen
Leistungsflussdichten von ca. 10
000 µW/m2. Die
Leistung unserer inneren elektromagnetischen
Schwingungen, die wir mit Wärme
bezeichnen (um 3-10 µm Wellenlänge) entspricht mit ca. 100 W einer Glühbirne.
Um die Eigenschwingungen unserer
funktionellen Moleküle (Enzyme und andere Proteine,
Nukleinsäuren, Hormone und viele
mehr) zu verstehen, muss deutlich gemacht werden, dass das, was wir gemeinhin
mit Chemie bezeichnen, in Wirklichkeit reine Physik ist. Alle Bindungen und
ihre Modulationen zwischen Atomen einerseits und Molekülen andererseits beruhen
auf physikalischen Phänomenen. Dabei
steht neben den Coulombschen Kräften die
weitreichende elektromagnetische Kraft im Vordergrund. Z.B. arbeiten DNA und
alle Enzyme mit Hilfe ihres elektromagnetischen Eigenschwingungs-Bereichs, um
ihre Aufgaben zu erfüllen. Besondere Beachtung verdienen Wring- Resonanzen: Ketten-Moleküle können durch hochfrequente elektromagnetische Felder zu Wring-
Resonanzen angeregt werden. Proteine zeigen diese Eigenresonanzen im Bereich
von 1-10 GHz, DNAim Bereich von 10 MHz-10 GHz. Beiden
liegen also im Bereich des Mobilfunks (0,9-2 GHz). Wring-Moden bewirken
Verdrillungen der Molekülketten, was direkte Auswirkungen auf die Struktur der
einzelnen Moleküle hat. Die Struktur der Moleküle (Konformation
und Konfiguration) ist entscheidend für die spezifische Funktion. Nur geringe
Verschiebungen machen das Molekül unbrauchbar. Teilweise brechen die Ketten
infolge äußerer Energieeinwirkung sogar auseinander.
Im
energetischen Mikrobereich hat sich die Klassische Physik als falsch erwiesen
Die Physik hat bereits seit
Jahrzehnten festgestellt, dass im Mikrofunktionsbereich ausschließlich die Neue
Physik gilt, die Quantenphysik. Die Klassische Newtonsche Physik hat sich hier
als falsch erwiesen. Dennoch wird meistens bei der wissenschaftlichen
Bewältigung der auftauchenden Probleme, die Klassische Physik zugrunde gelegt.
Das führt zu falschen Schlussfolgerungen.
Gefährdungen
und Schädigungen durch technischen Kommunikationsfunk
Liest man kontinuierlich
diejenigen Veröffentlichungen, die vor allem mit Hilfe der Betreiber-
Organisationen in Umlauf gebracht
werden, dann meint man, sich in einer anderen Welt zu befinden. Alle möglichen
Gefahrenmomente durch technischen Funk werden kategorisch ausgeschlossen. Liest
man dagegen regelmäßig die anerkannten wissenschaftlichen Magazine, findet man
einen vollkommen anderen Tenor.
Zwei entgegengesetzte Meinungen
prallen aufeinander, die z.T. Interessen-gesteuert sind: „Der
Kommunikationsfunk ist
gesundheitlich vollkommen sicher“ und „der Kommunikationsfunk schädigt die
Gesundheit“ Die erste Meinung vertreten auch diejenigen Wissenschaftler, die
über tlw. selbsternannte Gremien, , wie die ICNIRP, die WHO und die Politik
beraten. So hat sich die ICNIRP die Aufgabe gestellt, Grenzwertempfehlungen für
alle Bereiche nicht-ionisierender Strahlung festzulegen. Dieses Gremium ist ein
Zusammenschluss berufener und interessierter
Wissenschaftler/innen, die für
ihre selbstformulierte Aufgabe weder demokratisch legitimiert ist, noch im
staatlichen Auftrag handelt. Dennoch waren Grundlage der in der 26. BImSchV festgelegten Grenzwerte die Empfehlungen der
ICNIRP. Diese Grenzwerte sind in der Wissenschaftsgemeinde heftig umstritten.
Welche
wissenschaftliche Vorgehensweise schafft Klarheit?
1. Epidemiologische
Untersuchungen
2. In-vivo-Experimente,
(im Labor, z.B. an Pflanze, Tier und Mensch)
3. In-vitro-Experimente („Reagenz
glas“)
Absehbarer Fakt:
In einigen Jahren gibt es
epidemiologisch keine Vergleichsgruppe mehr, da alle Menschen
gleichermaßen grundlegend befeldet sind (Navigation, Satelliten, Kommunikation). Dann
gibt es auch keinen wissenschaftlich exakten Nachweis einer Gefährdung oder
Schädigung mehr.
Resolutionen
und Systematik der Forschungsergebnisse
Die Wiener Deklaration von 1998, die Salzburger Resolution vom 2000, die Catania Resolution von 2002 - unterschrieben von den
international wichtigsten unabhängigen und seriösen Forschern sagt
zusammengefasst: es gibt biologische Wirkungen und Gesundheitsrisiken durch
Kommunikationsfunk, deshalb ist Vorsorge notwendig (UNIVERSITY VIENNA 1998,
ALTPETER et al. 2000, INTERNATIONAL CONFERENCE 2002)
Laut ECOLOG-Studie
2000 im Auftrag einer Betreiberfirma: Die Systematik der Beeinträchtigungen,
Störungen, Gefährdungen bzw. Schädigungen durch elektromagnetische
Hochfrequenz-Felder unterhalb der derzeitig propagierten Grenzwerte ist
ausreichend dargestellt: (Hinweise, starke und konsistente Hinweise). Im
Einzelnen findet sich in der ernstzunehmenden Literatur:
• Gentoxische Effekte
• Krebserkrankungen
• Beeinträchtigung zellulärer Prozesse
• Beinträchtigung des Immunsystems
• Beeinflussung des Zentralen Nervensystems
• Beeinträchtigung des Hormonsystems
• Infertilität
Jeder Mediziner kann daraus
entsprechende Schlussfolgerungen auf Symptomatiken schließen.
Schon sehr lange ist in der
Wissenschaft das „Mikrowellensyndrom der Funkfrequenzkrankheit“ eine medizinische Realität.
(z.B. auch SCHLIEPHAKE 1932, HORN et al 1934, DÄNZER et al 1938).
Zu den Hauptsymptomen, die
bereits vor 1932 veröffentlicht wurden, zählen:
1. Asthenische- oder
Erschöpfungssyndrom: Müdigkeit, Reizbarkeit, Kopfschmerzen,
Übelkeit, Appetitlosigkeit
einhergeht;
2. Dystonische kardiovaskuläre
Syndrom:
Herzrhythmus-Störungen und arterielle Blutdruck-
Störungen;
3. Dienzephalische Syndrom: Ermüdung, Schlaflosigkeit,
Störungen der Sinne.
Elektromagnetische Felder
technischen Ursprungs zählen mittlerweile zu den Umweltrisikofaktoren für die
Verursachung von Tumoren – auch Morbus Hodgkin ist betroffen. (Morbus Hodgkin
gehört zu den malignen Lymphomen. Es handelt sich um eine Tumorerkrankung, die
hauptsächlich Lymphknoten und Milz betreffen, sekundär auch Leber; Skelett, Knochenmark
einbeziehen können.)
Nach einer Vielzahl
epidemiologischer Studien gilt – entgegen der Beschlüsse der Gremien, die immer
noch einen Grenzwert von 100 µT (Mikrotesla) empfehlen - als gesichert, dass
sich im Bereich Niederfrequenz ab einer mittleren magnetischen Flussdichte von
0,4 µT das Risiko
bei Menschen, vor allem bei Kindern für Leukämie u.a. Tumorerkrankungen
verdoppelt.
Solche Flussdichten können in der Nähe von Hochspannungsleitungen,
Trafostationen, Stromkabeln oder anderen elektrischen Einrichtungen auftreten.
Mehr als 20 Studien haben dies mittlerweile übereinstimmend festgestellt, so
dass die International Agentur zur Erforschung des Krebses (IARC, Lyon,
WHO-angeschlossen), im Juni des Jahres 2001 niederfrequente
elektromagnetische Felder als potentiell krebserregend eingestuft hat.
Und wie
sieht der Hochfrequenzbereich aus?
Auch für hochfrequente
elektromagnetische Felder und insbesondere für hochfrequente
Felder mit niederfrequenter Taktung und Pulsierung
(wie bei Mobilfunk-Antennen, Radio- und Fernsehsendern) verdichten sich
konsistente Hinweise auf Förderung und/oder Auslösung von Tumoren, insbesondere
Leukämie, Lymphoma, Gehirntumore.
Epidemiologie:
Vegetative Dystonie und Krebs Untersuchungen zu Wirkungen von Basisstationen
des Mobilfunks
Auffällig ist, dass es bis 2001
praktisch keine Untersuchungen explizit zur Verträglichkeit von
Basisstationen gab. Erst danach
wurden vier Untersuchungen veröffentlicht:
In Abhängigkeit der Entfernung
vom Sender waren diverse Gesundheitsstörungen, wie Nausea,
Depression,
Konzentrationsstörungen, Gedächtnisverlust und einiges mehr signifikant gehäuft
(SANTINI et al. 2002).
Kundi, Universität Wien stellte eine
signifikante Auslösung von Herz-Kreislaufproblemen durch die Strahlung von
Basisstationen fest (KUNDI 2000).
Eine weitere Studie der
Universität Valencia, Spanien stellt in der Region Riberia
Baixa bei Anwohnern rund um Mobilfunkbasisstationen
bei Leistungsflussdichten von ca. 500 µW/m2 Kopfschmerzen und Angststörungen fest (NAVARRO et al. 2002).
Wegen der Hinweise und des
Verdachts der kausalen Beziehung von Leukämie und Gehirntumoren bei Kindern
einerseits und Basisstationen andererseits wurden in Spanien und Portugal
teilweise von den Behörden und auf richterlichen Beschluss zahlreiche Antennen
in der Nähe von Schulen und anderen sensiblen Orten demontiert. Die anhängigen
Verfahren nehmen zu. (El Dia de Cordoba, ABC, 15.11.2002,
Amtsblatt der Provinz Navarra vom 14.05.2002).
Die drei niederländische
Ministerien für Wirtschaft, Gesundheit und Telekommunikation haben eine Studie
zur Wirkung von Basisstationen in Auftrag gegeben haben. Durchgeführt wurde die
Forschungsreihe vom
technologischen Institut TNO (TNO Physics And
Electronics Laboratory, The Hague,
NL). In den Doppelblind-Versuchen (d.h., keine der Testpersonen wusste, ob das
entsprechende elektromagnetische Feld gerade aktiv war oder nicht) wurden
Testpersonen UMTS-Mobilfunkstrahlung ausgesetzt, in
einer Höhe, wie sie im kommerziellen Betrieb zu erwarten ist. Die Testpersonen
litten daraufhin u.a. significant an Angstzuständen, Tinnitus, Kopfschmerzen und Übelkeit Für die derzeitigen
GSM-Sender fand die Studie solche negativen Effekte nicht. Allerdings führten
sowohl GSM- als auch UMTS-Felder zur Beeinflussung
von kognitiven Funktionen wie Erinnerungsvermögen und Reaktionszeit, welche
sich bei kurzfristiger Einwirkung erhöhten. (TNO-Report FEL-o3-C148, September
2003,Zwamborn, Vossen, van Leersum, Ouwens, Mäkel)
Das häufig gebrauchte Argument,
„Rundfunk und Fernsehen haben wir viele Jahrzehnte und es gibt keine
gesundheitlichen Probleme dabei“, stimmt so nicht.
Krebsfälle
in der Umgebung von Rundfunk- und Fernseh-Sendern bei Einhaltung der Grenzwerte
(nicht vollständig)
Es gibt zwei Arbeiten aus dem Karolinska Institut, Schweden, die überraschend eine
Korrelation von Anstiegen verschiedener Tumorerkrankungen (Melanom,
Blasen-Tumor, Prostata-Tumor, Lungen- Tumor, Dickdarm-Tumor, Brust-Tumor) und
Asthma mit Anstiegen der Freisetzung der
Kommunikationsstrahlung von
Rundfunk- und Fernseh-Sendern in Schweden und anderen Ländern ungefähr seit dem
Jahr 1920 aufzeigen können (HALLBERG und JOHANNSON 2002a, 2002b).
Dabei wird deutlich gemacht, dass
es für Schweden vier markante Jahressegmente zur größeren
Steigerung von Todesraten
durch Tumore gibt.
Diese besonderen Jahre sind mit der vermehrten Verbreitung bzw. dem Abbau von Sendestrahlung seit dem
Jahr 1912 identisch,
es sind die Jahre 1920, 1955, 1970 mit jeweils zunehmender Steigerung der
Krebsrate und 1979 mit etwa gleich bleibendem Level auf hohem Niveau. Die
Autoren erklären dies damit, dass 1920 MV-Radio eingeführt wurde, 1955 ging FM-Radio und gleichzeitig TV1 auf Sendung, 1969/70 TV2 und
Farbfernsehen, 1978 wurden mehrere alte AM-Sendstationen abgebaut. Den größten
„explosiven“ Steigerungs-Knick sowohl für Tumore als auch für Asthma
verzeichnet die Kurve im Jahr 1955. Die Autoren können auch Hinweise aus
wissenschaftlichen Arbeiten zitieren, wonach die Melanome nicht an den Stellen
auftreten, die verstärkt der Sonnenstrahlung ausgesetzt sind, sondern gerade an
Thorax und Abdomen, die eher durch Kleidung beschattet sind (Stierner/Augustsson), eine
Tatsache, die ich bereits 1993 eingehend dargestellt habe. Untersuchungen
hatten gezeigt, dass Marinesoldaten, die unter Deck arbeiteten, eine höhere Melanomerkrankung
aufwiesen, als die Kollegen, die auf Deck der Sonnenstrahlung ausgesetzt waren.
Es fiel bereits in mehreren Untersuchungen auf, dass Melanome sich an
Hautstellen exponierten, wo die Sonnenstrahlung nur sehr gering ankam, wie z.B.
Fußsohlen.
Auch eine deutsche Studie (1079
Patienten, 778 Kontrollprobanden) kam zu dem Schluss, UV-Strahlung ist nicht
der allein auslösende Faktor dieser Krebskrankheit (WARNKE 1993, Seite 64ff).
Die Autoren Hallberg und
Johansson zeigen nun aufgrund einer anderen Arbeit, dass die
durchschnittliche Melanomdichte
auf der Hautoberfläche der Menschen dort am höchsten ist, wo die höchste
Energieabsorption und induzierte Stromverteilung im Hochfrequenzfeld (27.12 MHz
unter Nahfeld-Bedingungen) auftritt. Es sind dies die Hautbereiche von Thorax-
und Abdomen (GHANDI 1990)
Laut Untersuchung gibt es also
einen deutlichen Zusammenhang zwischen der Hautkrebsrate und der Exposition zu hochfrequenten, frequenzmodulierten Feldern von Sendern.
Selbst Leistungsflussdichten von niedrigen 30 µW/m2 können nicht als sicher angesehen
werden (HALLBERG & JOHANSSON 2002a).
„Laut Studie steigt das
maligne Hautmelanom seit 1955 explosionsartig an. Dieser Anstieg steht in
Beziehung zu der Einführung von hoch leistungsfähigen Fernsehsendern. Diese
Beziehung zur
Ausbreitung von
Rundfunkstationen mit diesem Krebs gilt für Schweden, Norwegen, Dänemark,
Queensland in
Australien und den USA.“ (HALLBERG & JOHANSSON 2002b).
Weitere Sender-Studien:
Eine aktuelle interne Studie von
Claudio Gomez-Perretta, Forschungszentrum,
Universitätskrankenhaus La Fe, Valencia sind Gehirntumore und Leukämien gehäuft
im Umfeld von Rundfunk-/TV-Sendern und Radarstationen in Spanien (Deklaration von
Alcala vom 8.05.2002, Europa Press 15.02.2002, www.heise.de,
22.02.2002, La Nueva Espana, Print-Ausgabe, 22.03.2002).
„Moosbrunn-Studie“
(1993): Gehäuftes Auftreten psychoneurovegetativer Symptome, wie
Kopfschmerzen und Schwindel
(HAIDER et al. 1993).
„Schwarzenburg-Studie“
(1995): Radio-Kurzwellen führen zu dosisabhängigen neurovegetativen
Störungen, insbesondere auch
Schlafstörungen (5:1), Depressionen (4:1), Krebs (3:1), Diabetes (2:1), sowie
Schwäche, Müdigkeit, Nervosität, Kopfschmerzen. Verminderte Melatoninausschüttung
bei Kühen (nichtsignifikant) die sich nach Abschalten des Senders wieder auf
ein normales Maß einpegelten (ABELIN et al. 1995).
„Sutra-Tower-Studie“,
San Francisco Bay (1992): erhöhte Krebsrate bei Kindern, besonders hoch
innerhalb eines Radius von 1
Kilometer um den Sender auf dem Berg Sutra herum.
Hochsignifikanter linearer Dosis-Wirkungs-Zusammenhang bei allen Krebsarten und
insbesondere bei Gehirntumoren (SELVIN et al. 1992).
„Hawaii-Studie“ (1994): Erhöhung
von Leukämiefällen bei Kindern in der Nähe der Sendetürme von Radio Hawaii
(MASKARINEC et al. 1994). Fortsetzung einer früheren Studie von 1987, wo in Honululu bei Anwohnern von TV-Sendetürmen erhöhte
Krebsraten, auch Leukämie auftreten
(DEPNER
et al. 1996)
„Nord-Seydney-Leukämie-Studie“
(1996): signifikanter Anstieg von Leukämiefällen bei Kindern und Erwachsenen
und allgemeiner Sterblichkeit im Umfeld der Radio- und Fernsehsender (HOCKING
1996).
„Regional-TV-Sender-Studie,
Großbritanien“ (1997): steigende Leukämiefälle (max.
9mal höher, als im Landesdurchschnitt) bei Erwachsenen, die Fallzahlen nehmen mit
der Entfernung vom Sender ab (DOLK et al. 1997).
Cherry-Studie (2000): Kausaler
Zusammenhang von Tumoren-Fällen, insbesondere Gehirn-Tumoren und Leukämie, und
Anzahl der aktiven Sender in Abhängigkeit der Distanz (CHERRY 1999).
Radio-Vatikan-Sender-Studie
(2001): Kinderleukämie ist um 220 % erhöht, ebenfalls Sterblichkeit bei
Erwachsenen-Leukämie in einer 6 km Zone um den Sender (MICHELOZZI et al. 2001).
In allen Studien waren
Feldstärken und Leistungsflussdichten unterhalb, teilweise weit unterhalb der
Grenzwerte wirksam.
In jüngster Zeit gibt es immer
mehr Berichte über Leukämiehäufungen im Umfeld von Mobilfunk- und anderen
Sendern (z.B. Valladolid, Ronda (Spanien),
Heroldsberg (Deutschland), Christchurch
(Rundfunksender auf Neuseeland) u.a. Schlaflosigkeit, Krebs, Leukämie bei
Kindern und Hirntumore sind die klinischen Erkrankungen, die im Umkreis von
Sendern häufiger beschrieben wurden. (DOLK et al., 1997; HOCKING
et al., 1996; MASKARINEC
et al., 1994; MINDER und PFLUGER, 2001; SELVIN et al., 1992).
In allen Studien waren
Feldstärken und Leistungsflussdichten unterhalb, tlw. weit unterhalb der
Grenzwerte wirksam.
Derartige epidemiologische
Studien sind erst dann ernst zu nehmen, wenn auf der Zellebene oder in vitro Wirkmechanismen deutlich werden, die die Erkrankungen
erklärbar machen. Weiter unten werden kompatible Ergebnisse aus „in-vitro-Experimenten“ beschrieben
Zu Mobifunk-Handy und Krebs (einige markante Hinweise)
Bzgl. Tumor und Mobilfunk waren
die Studien bisher widersprüchlich: In Tierversuchen gibt es
Hinweise auf eine kanzerogene
Wirkung von Feldern, wie sie beim GSM-Mobilfunk vorhanden sind. Bei
Gen-veränderten Mäusen (Krebs-Supressor Gen
ausgeschaltet) werden nach Bestrahlung von Dund
E-Netz-Signalen, täglich etwa 20 Minuten, bei 18-monatiger Exposition, 2,4 mal
so häufig bösartige Tumore erzeugt (REPACHOLI 1997). Eine Wiederholungsstudie
mit stark kritikwürdigem Design fand kein gleichartiges Ergebnis.
Szmigielski et al. 1982 und Szudinski et al. 1982 fanden in Langzeitstudien Hinweise
auf einen
krebsfördernden Einfluss
elektromagnetischer Felder. Chou et al. 1992 fanden
in der exponierten
Gruppe insgesamt mehr Tumore und
die Zahlen der primär malignen und der metastatisch
malignen Neoplasmen waren fast 4-fach erhöht.
Toler et al. 1997 konnten bei
Versuchstieren signifikant mehr Eierstock-Tumoren in der exponierten Gruppe
finden.
Mit Menschen gibt es bezüglich
Exposition von elektromagnetischen Hochfrequenz-Systemen und Krebs etwa 20
veröffentlichte Untersuchungen, von denen die Mehrheit positive Resultate
erbracht hat (KUNDI et al. 2002).
Das Hirntumor-Risiko bei Menschen
ist statistisch signifikant erhöht (OR 1,09 bis 2,86) bei <0,1 W/m2 bis 1 W/m2 (HARDELL et al. 1999, 2002).
Eine Wiederholung und Fortführung
der Studie mit 1617 Hirntumorpatienten im Alter von 20 bis 80 Jahren durch Hardell und Nansson ergab
prinzipiell gleiche Ergebnisse (HARDELL et al. 2002a). Mit Anstieg der
Benutzer-Jahre steigt das Risiko signifikant an. Zwei weitere Studien zeigen
ebenfalls in Abhängigkeit der Anzahl der Nutzungs-Jahre ein ansteigendes Risiko
für Gehirntumore (Gliome) (MUSKAT 2002, AUVINEN
2002).
Tendenziell gleiches Ergebnis
veröffentlichte eine Gruppe der American Health Foundation in New York, wonach auf der Seite des Kopfes, an
die üblicherweise das Handy gehalten wird, das Risiko für eine Tumorentwicklung
erhöht ist. Darüber hinaus ergab sich das statistisch signifikante erhöhte
Risiko für Tumorentwicklungen des Neuroepithels um
den Faktor 2 bis 3 (MUSCAT et al 2000).
George Carlo kommt in einer 6 Jahre-Studie
im Auftrag der Mobilfunk-Betreiber zum Ergebnis, dass Nutzer von Handys
häufiger an Gehirntumor sterben (CARLO G.,www.health-concerns.org, AFP Agence France Press 1999 und Medscape
31.7.2000)
Eine weitere Studie ist als
Hinweis zu werten (Anfangsverdacht): es besteht demnach ein erhöhtes Risiko (OR
3,3) für Handynutzer an einem Augentumor zu erkranken (STANG 2001, STANG et al.
2001).
Eine Nokia Patentschrift vom
28.7.1998 US Patent Office: (übersetzt) „Es wurde dargestellt, dass
Radio-Frequenz-Strahlung ein
Extra-Wachstum von unterstützenden Zellen im Nervensystem
stimuliert, was im schlimmsten
Fall zu einer malignen Tumor-Entwicklung führt.“ (BATISTA
2002, Patent July 28, 1998).
„Von etwa 8 Langzeitexperimenten
bei Tieren, die uns bekannt sind, haben 5 erhöhte Zahlen von
Krebserkrankungen, beschleunigtes
Krebswachstum, oder beides, gefunden“, schrieben Mays Swicord
und Larry Cress von der FDA, USA. Sie wiesen außerdem
auf weitere Belege aus Laborstudien (in vitro) hin,
die ebenfalls auf ein Krebsrisiko hindeuten.
Insgesamt existieren neun
Studien, die eine positive Korrelation zwischen Mobilfunk und Gehirntumor,
Tumor des Akustikus neurinoms
und Tumor des Auges wahrscheinlich machen, teilweise mit deutlicher
Dosis-Wirkungs-Beziehung.
Im Januar 2004 erschienen die
ersten Ergebnisse der internationalen Interphon-Studie (Zusammenhang der
Mobilfunkstrahlung mit Tumoren im Kopfbereich). Eine dänische Forschergruppe
untersuchte das Risiko für Akustikusneurinome.
Ergebnis: die Handystrahlung erhöht innerhalb des betrachteten Zeitraums nicht
das Erkrankungsrisiko, aber die Größe eines vorhandenen Tumors ist bei
Strahlungsexposition größer – unabhängig von der Dauer der Exposition
(CHRISTIANSEN et al 2004). Zur Abklärung dieser Fragestellung wird von der WHO
und der IARC (Internationale Agentur für Krebsforschung, Lyon) das Projekt Interphone seit dem Jahr 2000 etabliert.
Endgültige Ergebnisse werden erst 2005 erwartet. (www.who.int/peh-emf/publications/reports/en/RCC_Minutes_2003.pdf).
Fazit Die Schweizer Bundesbehörde
BUWAL stellt nach Sichtung der vorliegenden
wissenschaftlichen
Untersuchungen fest:
Erhöhtes Risiko für
Leukämie bei Handynutzern ist möglich. Symptome beim Mobiltelefonieren, wie
Kopfschmerzen, Müdigkeit, Schwindel, Hautbrennen, veränderte Schlafarchitektur
(auch bei Sendeanlagen-Nähe) sind wahrscheinlich.
Zitate: Besonders Kinder
scheinen gefährdet:
der Präsident des
Bundesamtes für Strahlenschutz Herr König
„Jugendliche sollte von dieser
Technologie ferngehalten werden“
Stuart Kommission im Auftrag der englischen
Regierung: „Kinder erscheinen besonders gefährdet“.
Gesundheitsbehörde
Kanton Genf:
„Aus Vorsichtgründen sollen
Kinder und auch Jugendliche die Benutzung von portablen Telefonen auf striktes
Minimum reduzieren“.
Russisches Komitee zum
Schutz vor nichtionisierender Strahlung, Moskau:
„Kinder und Jugendlichen unter 16
Jahren wird von der Nutzung von Mobiltelefonen vollständig
abgeraten.“
Frage: Wie kann Krebs
entstehen (und die Blut-Hirn-Schranke durchlässig werden), wenn die Quantenenergie
der HF-Strahlung viel zu gering ist, um zu ionisieren?
Antwort darauf geben in-vitro-Experimente.
Wirkungen
auf Ebene der DNA/RNA - Athermisch verursachte Genschäden durch Funk
Untersuchungsergebnisse zeigen
vielfältig gentoxische Effekte elektromagnetischer
Schwingungen.
Es ergeben sich Einzel- und
Doppelstrangbrüche, Chromosomen-Aberrationen und –Anomalien, wie Chromatid-Brüche, Chromatid-Lücken
und ein vermehrtes Auftreten von Mikrokernen.
Dies geschieht statistisch
signifikant bei Mobilfunkstrahlung mit SAR-Werten von 5-10 W/kg. Nach 24
Stunden Exposition zu Strahlung von 837 MHz (CDMA, TDMA) bzw. 1909,8 MHz (GSM)
war bei allen Lymphozyten die Zahl der Mikronuklei oder doppelte Kernzahl um
das Vierfache gegenüber der Kontrolle erhöht, unabhängig von Signal-Typ und
Modulationen. Auch eine Dosis-Wirkungsbeziehung wurde erkannt (TICE et.al. 1999 und TICE et al. 2002).
Genau dieser Effekt wurde bei
niedrigeren SAR-Werten bestätigt. Ein internationales Forscherteam (Leiter
Professor Franz Adlkofer, Geschäftsführer der VERUM
Stiftung für Verhalten und Umwelt) hat in Laborversuchen Hinweise darauf
gefunden, dass elektromagnetische Felder des Mobilfunks Erbgut schädigen
können. (www.hese-project.org).
Hierzu bestrahlten die Forscher
Rudolf Tauber vom Institut für Klinische Chemie und Pathobiochemie
des Berliner Universitätsklinikums Benjamin Franklin und seine Kollegen Zellen
24 Stunden lang mit verschiedenen SAR. Bei 1,3 W/kg und einer Frequenz von 1
800 MHz. "wiesen die Zellen signifikant etwa dreimal so viele
DNA-Strangbrüche auf wie Kontroll-Zellen". Auch die Zahl der Mikrokerne
hat sich verdreifacht. Mikrokerne enthalten Chromosomenfragmente oder
vollständige Chromosomen, die nach der Zellteilung nicht in einen der
Tochterkerne integriert werden und so den Zellkernen verloren gehen.
Untersucht wurden alle
Handy-Signale – gepulst sowie ungepulst. Auffallend war, dass die gepulsten
Frequenzen stets zu einer größeren Schädigung führten. Je länger eine
Exposition andauert, desto größer war die Schädigung. Alle unterschiedlichen
Handy-Signale führten zum Anstieg der Mikronuklei – auch bei Intensitäten die
lediglich dem „Zuhören am Handy“ entspricht.
Alle Untersuchungen fanden im
Doppel-Blind-Verfahren statt. Stets wurden „scheinexponierte“
Zellkulturen mit untersucht,
wobei es dem Team nicht bekannt war, welche der Proben unter dem
Einfluss von EMF standen.
Bei einer Exposition bis 24
Stunden kann man einen Anstieg der DNA-Sprünge beobachten, bei
längerer Exposition geht der
Anstieg zurück, weil körpereigene Reparatursystem greifen. Die Zunahme der
Mikronuklei kann nicht repariert werden und bleibt bestehen.
Doppelstrangbrüche sind
gefährlicher als Einzelstrangbrüche. Während Einzelstrangbrüche innerhalb 7 bis
8 Stunden repariert werden können, werden bei Doppelstrangbrüchen Falschkopien
erstellt – dies führt zu Dauerschäden innerhalb der Zellen.
Wenn man im Versuch
Vitamin C (Ascorbinsäure) hinzugibt, ist kein Anstieg der Mikronuklei mehr
messbar. Das spricht ziemlich eindeutig dafür, dass die Schädigungen durch Freie
Radikale erzeugt werden, denn Vitamin C gehört in die Funktionsgruppe der Antioxidanzien, die Freie Radikale neutralisieren.
Im internationalen Verbund ist
auch Rüdiger, Universität Wien; er verwendete menschliche Hautzellen (von
Spendern) für einen alkalischen Comet-Assay-Versuch.
Bei der kontinuierlichen Exposition mit 1800 MHz, SAR 2 W/kg (Grenzwert) zeigte
sich, dass die DNA-Strangbrüche Zeit- und Expositionsabhängig sind: Nach 4 Std.
geringer Anstieg, nach 16 Std. deutlicher Anstieg, nach 24 Std. starke
Auswirkung. Unter on/off Bedingungen zeigten sich die stärksten Auswirkungen.
Die Interessen-gebundenen
Wissenschaftler sprechen in der Öffentlichkeit immer wieder von
Einzelergebnissen (z.B.
Friedrich, Sprecher der „Forschungsgemeinschaft Funk“ im aktuellen Bericht des
Saarländischen Fernsehens, April 2003) – das ist falsch. Das Gegenteil ist der
Fall und dies soll durch weitere Literaturhinweise kurz demonstriert werden.
Bei SAR-Werten
von 0,002 W/kg, das ist ein Tausendstel des derzeit erlaubten Höchstwertes,
wurden in
Versuchen
bereits DNA-Strang-Brüche gemessen (CHERRY 2002).
Chromosomenschäden
(Aberationen, Kleinkerne und Azentrik
in menschlichen Lymphozyten-Kulturen) treten im Leistungsflussdichte-Bereich
des Grenzwertes für das D-Netz auf (GARAJ-VRHOVAC et al. 1992).
Athermisch verursachte Genschäden an
menschlichen Blutzellen durch Mobilfunkstrahlung fanden auch
Mashevich et.al. 2003. Untersucht
wurden menschliche Lymphozyten im Einfluss von 830 MHz
elektromagnetischer
Strahlung. Es entstanden Verluste und Veränderungen von Chromosomen, die zu
Krebs führen können. Die Absorptionsrate (SAR) betrug 1,6 – 8,8 W/kg für 72
Stunden. Die Höhe der Chromosomen- Schädigung war direkt mit der Größe der SAR korreliert.Kontrollexperimente machten deutlich, dass die Gentoxizität nicht mit einem T emperatureffekt
verbunden ist.
Veränderungen
der Gen-Transkription in einigen Stellen des Gehirns von Ratten unter
Bestrahlung mit
Mobilfunkfrequenzen
(GSM) konnten von Fritze et al. 1997 gezeigt werden. Von Ivaschuk
et al. 1997 wurden signifikante Änderungen hinsichtlich der Transkription des
Response-Gens c-jun (c-fos
blieb unverändert) unter Einfluss eines gepulsten HF-Feldes gefunden.
Mikronuklei
wurden auch bei Radioarbeitern gefunden (GARAJ-VRHOVAC et al. 1990) sowie bei
Rindern, die Radarstrahlung ausgesetzt waren (Arbeitsgruppe BALODE, 1996). Garaj-Vrohovac et al. fanden in Lymphozyten der Arbeiter
(100 mW/m2 – 200 W/m2, Frequenzen zwischen 1250 und 1350 MHz) eine signifikante
Erhöhung der Mikrokerninduktion. Dies fanden innerhalb eines in-vivo Experiments bei Mäusen auch Vijayalaxmi
et al. 1997.
Maes et al.
1993, 1995 fanden einen Anstieg der Chromosomenaberationen,
einschließlich dizentrischer
Chromosomen und azentrischer Fragmente in humanen Lymphozyten (2,45 GHz,
Exposition sehr nach an
Antenne). In
einer Folgearbeit wurden auch in-vitro bei humanen
Lymphozyten unter 8 exponierten Proben drei dizentrische
Chromosomen gefunden, die in der Kontrolle nicht auftraten.
Die Gruppe fand
in humanen Lymphozyten unter Befeldung (2,45 GHz mit athermischer Leistungsintensität) auch eine Erhöhung der
Mikrokernrate und eine Abhängigkeit der Steigerungsrate von der
Expositionszeit.
Lai und Singh 1997 konnten experimentell zeigen, dass hochfrequente elektromagnetische Felder mit
Leistungsflussdichten,
wie beim Mobilfunk in der Lage sind, DNA zu schädigen. Sie fanden bei Spargue-
Dawley-Ratten nach Befeldung
mit einem pulsmodulierten 2,45 GHz-Feld einer mittleren Leistungsdichte von 10
bzw. 20 W/m2 und einer SAR von 0,6 bzw. 1,2 W/kg (Expositionszeit 2h) 4 Stunden
nach der Bestrahlung eine signifikante Erhöhung der DNA-Einzelstrangbrüche,
wohingegen direkt nach der Befeldung keine
Veränderungen festgestellt wurden. Durch Melatonin
war diese Zerstörung aufzuhalten. Dies weist wiederum auf die
elektromagnetische Beeinflussung Freier Radikale hin, denn bekanntlich ist Melatonin ein potenter Fänger Freier Radikale.
Goswami et al. 1999 fand mit Finanzierungs-Hilfe durch
Motorola, dass in einem Gen festgelegte Eigenschaften zur Förderung von Tumoren
durch Mobilfunkstrahlung verändert werden kann. Das Proto-Oncogen
Fos, das bei geringer Veränderung Krebs auslösen
kann, steigert bei Bestrahlung (836 MHz) mit gepulsten Schwingungen seine
Aktivität signifikant um 40%. Wird die Mikrowellenbestrahlung gepulst, wie beim
digitalen Mobilfunk, werden 40% weiterer Aktivitätszunahme verzeichnet. Zwei
weitere Proto-Oncogene, Jun und Myc,
veränderten sich nicht. (GOSWAMI et al. 1999).
Daneben konnten Meltz et al. 1996 und Stagg et
al. 1997 einen Einfluss von HF-Feldern auf DNAReparaturmechanismen
bzw. die DNA-Synthese nachweisen.
Manikowska-Czerska et al. 1985 fanden in den Spermatozyten befeldeter Mäuse
(2,45 GHz, 8
Versuchstiere/Gruppe:
0,05 - 5mW/g, 3 Versuchstiere/Gruppe: 5 – 20 mW/g, Exposition: 2 Wochen, 30 min
täglich) vermehrt Translokationen. Eine Zunahme
neoplastischer Transformationen bei in vitro-Versuchen,
wobei Zellen einem niederfrequent gepulsten HF-Feld
ausgesetzt wurden, stellten Balcer-Kubiczek und
Harrison fest. Der Effekt hing von den Intensitäten ab und wurde erst sichtbar,
nachdem man nach Exposition einen Tumor-Promotor (TPA) zusetzte.
Cleary et al. 1960, 1996 konnten an menschlichen
Lymphozyten und an Glioma-Zellen eine Erhöhung der
Zellteilungsrate
feststellen (2,45 GHz, cw) und in einer neueren
Arbeit diesen Effekt auch für puls-modulierte Felder gleicher Trägerfrequenz
nachweisen.
Czerska et al. 1992 fanden, dass niederfrequent
gepulste Mikrowellenstrahlung (2,45 GHz) die Umwandlungsrate von kleinen,
ruhenden Lymphozyten zu großen, aktivierten Lymphoblasten
erhöht. Wurde auf eine Pulsung verzichtet, trat der Effekt erst bei
Leistungsflussdichten auf, die mit einer messbaren Temperaturerhöhung verbunden
waren.
Als Indikator
der gentoxischen Wirkung einer 2450 MHz-Strahlung mit
Leistungsflussdichten von 50-100 W/m2 bei Ratten wurden die Mikronuklei in
polychromatischen Erythrozyten (unreife rote Blutzellen) im peripheren Blut
gezählt. Thermische Effekte wurden durch Messung ausgeschlossen.
Zu Beginn der
Exposition zeigt sich gegenüber der Kontrolle eine starke Zunahme unreifer
Erythrozyten.
Proliferation und Reifung der kernhaltigen erythropoetischen Zellen ist demnach beeinflusst, die Erythropoese im Knochenmark ist gehemmt. Später glich sich
der Unterschied aus (TROSIC, 2002).
Kooperation:
Auch niederfrequente magnetische Felder (EMF)
verursachen DNA-Brüche
Viele Haushalts- und andere
Elektrogeräte wie Rasierapparate, Backöfen, Kaffeemaschinen, Uhren und
elektrische Haartrockner senden elektromagnetische Felder im Niederfrequenz-Bereich
von 50 beziehungsweise 60 Hertz aus.
Ergebnisse von Henry Lai und Narendra Singh von der
Universität von Washington in Seattle zeigen, dass derartige elektromagnetische
Felder mit niedriger Frequenz in Gehirnzellen von Ratten Schäden an der
Erbsubstanz verursachen können. Die Wissenschaftler hatten Ratten 24 oder 48
Stunden lang schwachen elektromagnetischen Feldern mit einer Frequenz von 60 Hz
ausgesetzt, wie sie typischerweise auch von Haushaltsgeräten produziert werden,
und anschließend die Gehirne der Tiere untersucht. Dabei fanden die Forscher
deutliche Schäden an der Erbsubstanz und einen ungewöhnlich hohen Anteil toter
Zellen. Diese Schäden summieren sich bei längerer Einwirkung der Felder. An
dieser Zerstörung der DNA sind wahrscheinlich Eisenteilchen und Freie Radikale
beteiligt, schreiben die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Environmental Health Perspectives (Online10 Vorabveröffentlichung). Lai und Singh vermuten, dass die Magnetfelder auf die
Eisenteilchen in den Zellen wirken. Wenn sich diese Teilchen verändern, steigt
die Menge des freien Eisens in der Zelle.
Dieses Eisen kann die Bildung
hochreaktiver Freier Radikale erhöhen, die ihrerseits dann mit anderen
Biomolekülen reagieren und sie dabei zerstören. In weiteren Versuchen konnten die
Forscher diese Vermutung bestätigen: Sowohl das Abfangen der Freien Radikale
als auch eine Verminderung der Menge an freiem Eisen schützte die Ratten vor
den Gehirnschäden.
Forscher am Institut für
Arbeitsmedizin der Universitätsklinik in Wien untersuchten die Einwirkung niederfrequenter elektromagnetischer Felder (50 Hz, 1000
µT) auf menschliche Bindegewebszellen (Fibroblasten).
Im Unterschied zu Zellen, die kontinuierlich dem Feld ausgesetzt waren, fanden
sie bei einer ständig unterbrochenen Bestrahlung der Zellen einen signifikanten
Anstieg von Brüchen in der Erbsubstanz (DNA). Dabei war der Anteil der nicht zu
reparierenden Doppelstrangbrüche besonders hoch. Die weitaus höchste Rate an
Strangbrüchen fanden sie bei dem Zyklus 5 min Feld ein/ 10 min Feld aus. Da
diese Effekte eindeutig nicht auf Wärmewirkungen zurück zu führen sind und
bereits bei 35 MikroTesla, also unterhalb der
Grenzwerte der ICNIRP, nachzuweisen waren, fordern sie dringend die Grenzwerte
zu überdenken (IVANCSITS et al. 2003).
Niederfrequente magnetische Felder (60 Hz, 0,8
mT) verstärken die gentoxische Wirkung von
Benzo(α)pyrogen, rufen sie selbst
aber nicht hervor (CHO et.al. 2003).
Zellen, die mit einer Kombination
aus UVB und EMF (100 Hz, 1mT) behandelt wurden, zeigten im Vergleich zu den nur
UVB-exponierten Zellen eine Abnahme der DNA Synthese um 34 +/- 13 %. Die
alleinige EMF-Exposition führte nur zu einer geringen
Hemmung der DNA Synthese. Die kombinierte Wirkung ist nicht nur additiv, sondern synergistisch
(NINDL et. al. 2003).
Es gibt einen Zusammenhang
zwischen der Magnetfeld-Exposition im Wohnbereich größer
Hintergrundstrahlung bis 0,2 µT
(Hintergrundstrahlung 0,1 µT) und dem Auftreten von Melanomen (TYNES
et.al.2003).
Die peripheren Lymphozyten von
Triebwagenfahrern, die 16,7 Hz-Magnetfeldern mit wenigen µT bis >100 µT
ausgesetzt waren, zeigten erhöhte Chromosomenaberrationen. Triebwagenfahrer
erleiden dementsprechend auch häufiger an Krebs und chronischer lymphatischer Leukämie (NORDENSON et.al.
2001).
Fazit: Bewertet man alle
bisher vorliegenden Untersuchungsergebnisse, dann ergibt sich auf allen Ebenen
eine forcierte Krebsentwicklung durch elektromagnetische Felder (mit
Leistungsflussdichten
kleiner 0,1 W/m2 bis 1W/m2).
Dies beinhaltet
Schädigung der Erbsubstanz, ungehemmte Vermehrung von Zellen und
Schwächungen des
Immunsystems bis zur Manifestation der Krankheit.
Dabei ist sowohl
Niederfrequenz als auch Hochfrequenz und insbesondere niederfrequent
pulsierende Hochfrequenz
wirksam.
Mechanismen
der Krebs-Promotion durch Kommunikationsfunk
a)
Hitze-Schock-Proteine (Hsp)
Ursache für die Krebsauslösung
ist möglicherweise die nachgewiesene Ausschüttung von Hitze-
Schock-Proteinen im Einfluss
nichtthermischer elektromagnetischer Strahlung, die bei chronischer Aktivierung
Krebs und/oder Metastasen ergibt.
Hitze-Schock-Proteine treten als
Reaktion der Zelle auf missgefaltete oder denaturierte Proteine auf.
Es gibt sie bei allen Organismen,
sowohl bei Bakterien als auch bei Menschen. Sie haben einen Einfluss auf die Zell-Proliferation, auf die Zell-Differenzierung, auf den
natürlichen Zelltod und bei der Entstehung von Zellkrebs.
Sie spielen eine Rolle bei der
Reparatur und bei der Beseitigung von geschädigten Proteinen, sind also ein
Mechanismus zum Schutz einer beschädigten Zelle. Ihren Namen erhielten sie, als
man erkannte, dass sie bevorzugt bei Struktur-Schädigungen durch Hitze und
Chemikalieneinfluss auftauchen. Heute ist bekannt, dass sie bei einer Vielzahl
von Stressoren gebildet werden: wie bei Schwermetallen, Alkohol, oxidativen Stress.
Alzheimer, Creutzfeld-Jakob
und Amyloidopathien zeigen eine charakteristische
Häufung derartiger geschädigter Strukturen von Proteine und dementsprechend
eine Ansammlung von Hitze-Schock- Proteinen.
Hitze-Schutz-Proteine
haben nicht nur Schutzwirkung, sondern sind kausal mit der Onkogenese
verknüpft.
• Hsp können Zellen in maligne
Phänotypen transformieren,
• sie behindern auch noch das
Absterben geschädigter Zellen,
• sie machen Krebszellen resistent
gegen den Angriff des Immunsystems,
• sie verstärken
Metastasenansiedlung.
Sind viele Hsp
feststellbar, dann schreitet eine Erkrankung sehr schnell fort.
Durch hochfrequente
elektromagnetische Schwingungen wird die Hitze-Schock-Reaktion ausgelöst und
zwar auch bei nicht-thermischen sehr niedrigen Intensitäten im Bereich 0,001
W/kg (DANIELLS et.al. 1998, DEPOMERAI et.al. 2000).
Auch Mobilfunk spielt eine Rolle
bei der Auslösung von Hsp (FRENCH et.al.
2000).
Folgende aktuelle Arbeit
bestätigt frühere Studien: Nicht-thermische Aktivierung des Hitzestress-
Proteins (hsp27/p38MAPK) durch
Mobilfunkstrahlung (900 MHz moduliert, 1 Stunde SAR < 2 W/kg). Laut dieser
Autoren besteht die Gefahr, dass dadurch Störungen der Gehirntätigkeit und
Gehirntumore entstehen . Setzt man eine menschliche Endothelien-Zelllinie
Handy-Strahlen mit 900 MHz und durchschnittlich SAR 2,0 W/kg aus, dann steigt
gegenüber den scheinexponierten Zellen die phosphorilierten
Proteine um fast das Vierfache an. Auch das Hitze-Schock-Protein wurde in der
exponierten Gruppe von mehr Zellen gebildet. Ebenfalls war die mitogen-aktivierte-Proteinkinase p38 (p38MAPK), die bei der
Phosphorylierung von hsp27 eine Rolle spielt, stärker
aktiviert. Dadurch ergibt sich eine Hemmung der natürlichen Apoptose,
wodurch Tumore resistenter werden.
Da auch die Blut-Hirn-Schranke
durch die aktivierte Kaskade durchlässiger werden kann, können sich Schadstoffe
im Gehirn ansammeln (LESZCZYNSKI et al. 2002).
Setzt man Rinder-Serum-Albumin
einer Strahlung von 1 GHz, 15-20 mW/kg, 2-48 Std. bei 37°C und 25-45°C aus,
wurde die Aggregation des Serum-Albumins in
Abhängigkeit von der Expositionsdauer und der Temperatur gesteigert. Der Zusatz
von Hitze-Schock-Protein HSP16 reduzierte den Effekt.
In einem weiteren Versuch mit
Rinderinsulin zeigte sich bei der Strahlungsexposition eine Bildung von amyloiden Fibrillen, was ansonsten nur bei extrem niedrigen
pH oder hohen Temperaturen auftritt (DEPOMERAI et.al. 2003, LIN et. al.1997).
b) Freie
Radikale und elektromagnetische Felder
Jede Erhöhung die Dichte der
Freien-Radikale erhöht die Wahrscheinlichkeit für Schädigungen der einzelnen
Organe des Organismus. Geschädigte Organe können nicht mehr vollständig die
Regelkreisfunktionen
aufrechterhalten; es kommt zu Funktionsstörungen.
Makromoleküle
haben im nicht angeregten Zustand normaler Weise kein magnetisches Moment, in
bestimmten angeregten Zuständen bekommt das Molekül aber ein magnetisches
Moment und wird damit in seinen Reaktionen abhängig von äußeren Magnetfeldern.
Z.B. Freie Radikale haben über unabgesättigte Elektronen immer ein magnetisches
Moment. Sie entstehen als Stoffwechsel-Zwischenprodukte, z.B. bei vielen Enzym-
Substrat-Wechselwirkungen und attackieren Proteine, Lipide
und die DNA.
Betrachten wir
zwei Freie Radikale, also getrennte Moleküle mit Spins ungepaarter Elektronen.
Diese Spins können entweder parallel ausgerichtet sein (Triplett-Zustand)
oder anti-parallel (Singulett-Zustand). Die beiden
Moleküle können als Partner rekombinieren, sich also
zu einem Molekül ohne Freie Radikal-Eigenschaft verbinden, wenn sie im Singulett-Zustand sind.
Spins der Freien Radikale können
durch elektromagnetische Einwirkungen umgeklappt werden (Spin- Flipp). Passiert dies nicht bei beiden Partnern
gleichzeitig, sondern nur bei einem, dann verändert sich die Reaktionslage des
Systems. Reine Magnetfelder stabilisieren einen eingenommenen Zustand.
Magnetische Wechselfelder, die
einem statischen Magnetfeld überlagert werden, können die für den Spin-Flipp notwendige Energie liefern, wenn ihre
Schwingungsfrequenz im Bereich der
Resonanzfrequenz für den Übergang
liegt.
Auch Oberwellen relativ niedriger
Frequenzen und vor allem die überall vorhandenen Transienten
sind wirksam.
Dadurch kann die Lebensdauer
eines Freien Radikals verlängert werden. Schließlich kann das Freie Radikal diffundieren und Schädigungen setzen. Hierfür sprechen die
Ergebnisse, die bei Zugabe von Radikalfängern die Chromosomenschädigende
Wirkung aufhoben.
Ein Wissenschaftlerteam der
University of Ottawa (SCAIANO et.al. 1994) konnte
darstellen, wie durch Magnetfelder die Lebensdauer Freier Radikale verlängert
wird.
Bereits in früheren Jahren
vertrat Silny die Ansicht, dass Freie Radikale in
ihrer Lebensdauer verlängert werden, wenn die Dauer einer Halbwelle einer
elektromagnetischen Schwingung mit der Halbwertszeit des Freien Radikals
übereinstimmt.
Zuviel
NO-Radikale
Laut Adey
(1997) haben elektromagnetische Felder der Umwelt Einfluss auf die NO-Steuerung
im Körper.
NO ist auch ein Regulator des
EEG-Musters (ENGSTRÖM et.al.2000). Es partizipiert in der
Pathophysiologie des oxidativen
Stresses, einschließlich der Beteiligung an Parkinson und Alzheimer-
Erkrankung.
Miura et al. (1993) untersuchten in
Ratten-Gehirn mit einem NO-Sensor direkt im Gehirngewebe die NO-Bildung. NO
stieg mit dem Einschalten eines schwachen Feldes mit hochfrequenten
Radiofrequenzen an. Der
Feldeffekt blieb bestehen und zeigte ein Maximum nach Ausschalten des Feldes.
In vivo Studien zeigten eine Dilatation der Arteriolen durch den Feldeinfluss und dieser Effekt konnte
verhindert werden durch die Zugabe eines NO-Synthase Hemmers. Die Ergebnisse zeigen, dass die Strahlung das NO-Synthase-System aktiviert und Vasodilation
hervorruft.
Seaman
et al. (2002)
wiederholten frühere Versuche (SEAMAN et al. 1999) und fanden unter der
Voraussetzung, dass ausreichend
Nitrit im Körper vorhanden ist eine rapide Steigerung der NO-Produktion im
Einfluss von Radiofrequenz-Pulsen (SAR von 0,106W/kg).
Auch die DNA-Zerstörung durch
elektromagnetischen Einfluss– wie mehrfach beschrieben (z.B. auch LAI et al.
1995a/b) – wird auf die NO-Stimulierung zurückgeführt (siehe unten).
Ebenso wird die verstärkte Zellproliferation und Zelldifferenzierung der Wirkung von
NO auf die DNA angelastet (DINIZ et al. 2002).
NO wird auch durch
elektromagnetische Strahlung, ausgehend vom Mobilfunk, verstärkt
ausgeschüttet (PAREDI et al.. 2001). Untersucht
wird in der Paredi-Arbeitsgruppe ein kommerzielles
digitales 900 MHz Handy während 30 Minuten Konversationsgespräch. NO wird dabei
über den Nasen- Atemweg gemessen. Die NO-Level steigen tendenziell mit maximal
12.9 +/-4.9% bei 10 min an, dabei öffnen sich die Blutgefäße.
Stimulierte NO-Produktion
lässt den Mechanismus für die Auslösung von Tumoren erkennen,
und das geht
folgenderweise:
Die Haut besitzt
in ihren Melanocyten reduzierte (elektronenreiche) Indolorthochinone. Das sind Moleküle, die schädliche Freie
Radikale unschädlich machen. Aus einer gemeinsamen Vorstufe, dem Indol-o-chinon entsteht schließlich das dunkle Melanin
(Müller 1995).
Wenn es durch
immer wieder länger anhaltende elektromagnetische Strahlung zu einer
übermäßigen
Ausschüttung von
NO-Radikalen kommt, dann gelangen die Funktionen der Indolorthochinone
schließlich zu einem Punkt, wo sie überfordert werden. Denn reduzierte Indolorthochinone neutralisieren nicht nur NO-Radikale,
sondern ebenso H2O2-Sauerstoff-Radikale. Beide zusammen gleichermaßen zu reduzieren,
überschreitet
die Kapazität des Redoxsystems. Folge davon: entweder
nicht reduzierte NO-Radikale bleiben zerstörerisch aktiv oder nicht reduzierte
H2O2-Sauerstoff-Radikale.
Freie Radikale,
die nicht reduziert werden, greifen die Zell-Lipide
an, eine Tatsache, die besonders für NOVerbindungen
und ebenfalls für H2O2-Sauerstoff-Radikale gut bekannt ist.
Auch die
Chromosomen werden angegriffen. Durch die Schädigung der DNA ist die Bildung
des Enzyms Monophenolmonooxigenase reduziert. Dieses
Enzym katalysiert aus der Aminosäure Tyrosin den
Ausgangsstoff Indol-o-chinon für Dopamin
und Melanin. Aus Indol-o-chinonen entstehen
schließlich auch die reduzierten Indolorthochinone,
die Freie Radikale in Schach halten sollen.
Bei
fehlendem Indolorthochinon entsteht nun ein sich
selbst verstärkender Circulus vitiosus. Weniger reduzierte Indolorthochinone
bedeutet weniger Reduzierung der Freien Radikale.
Hoch auflaufende
Mengen Freier Radikale zerstören laufend größere Membrananteile und DNA. Der
Tumor Melanom (siehe oben HARDELL und JOHANNSON) kann schließlich etabliert
werden.
Hallberg und
Johansson (2002b) können für die anderen Tumorsteigerungen, Darm-, Lungen-,
Brust-,
Blasenkrebs und
Asthma (nicht aber für Leukämie), die gleiche Korrelation zu verstärkt
freigesetzter
elektromagnetischer
Schwingung wie für Melanome aufzeigen und kommen zum Schluss, dass „ein
allgemeiner Stress-Faktor in unserer Umgebung“ für die Krankheitssteigerungen
verantwortlich ist. Sie legen nahe, dass dies die seit 1912 sich steigernden
elektromagnetischen Schwingungen sind.
Hinweise in
dieser Richtung gibt auch die Arbeit von Stopczyk et
al. 2002. Im Einfluss der
Hochfrequenzstrahlung
wurde eine verminderte Aktivität des Enzyms Superoxid-Dismutase
und in Folge eine Erhöhung des Malondialdehyd-Levels
gefunden.
Dies könnte
entweder auf ein Aufbrauchen des Enzyms durch eine vermehrte
Radikalneutralisierung hinweisen oder auf eine direkte Wirkung der Strahlung
auf die Konformation des Enzyms mit der Folge des
Stummschaltens. In der Medizin ist bekannt, dass ein erhöhter Malondialdehyd-Level ein Risikofaktor für Herzinfarkt ist.
Alzheimer
und Parkinson durch elektromagnetisch stimulierte NO-Radikale?
Alzheimer Erkrankungen und Morbus
Parkinson wird immer wieder in den Zusammenhang mit der Strahlung
elektromagnetischer Schwingungen gebracht. SOBEL et al.
1995, 1996a, 1996b, SAVITZ et al. 1998
Aus dem oben geschilderten
Mechanismus einer überforderten Radikalen-Abwehr sind diese
Krankheiten ebenfalls ableitbar.
Denn
gleichzeitig mit einem verminderten Aufbau von Indol-o-chinon
ist das Folgeprodukt Melanin ebenso betroffen, also ist der Melaninaufbau
behindert. Eine ausreichende Ergänzung des vorhandenen Melanins wird damit
unterbunden und schließlich wird Melanin sogar abgebaut.
Es ist bekannt,
dass der Abbau von Melanin mit der Zerstörung der Zelle einhergeht.
Im Fall des
Neuro-Melanins, also des Melanins der Nervenzelle, wären vom Untergang die
Zellen des Gehirns betroffen. Ein Vorgang, der Alzheimer erklären kann.
Im Fall der Substantia nigra im Gehirn ist
durch die Hemmung der Monophenolmonooxigenase (die
früher Tyrosinhydroxylase hieß und synonym ist mit
den Bezeichnungen Phenoloxidase und Tyrosinase) auch die Bildung von Dopamin
reduziert und schließlich unterbrochen. Mangel an Dopamin
bewirkt die Symptome von Parkinsonkranken.
Schließlich wäre auch die Durchlässigkeit der
Blut-Hirn-Schranke im Einfluss elektromagnetischer Schwingung, wie mehrfach berichtet
(z.B. auch LIBURDY 1995, SALFORD 2003) von diesem Mechanismus betroffen. Denn
die Zerstörung der Membranen durch Freie Radikale betrifft auch die
Blut-Hirn-Schranke.
c)
Weitere Folgen: Melatonin-Reduzierung
Melatonin beim Menschen stammt aus der Epiphyse
(Zirbeldrüse), Netzhaut des Auges (Retina) und bestimmten Darmzellen (enterochromaffine Zellen). Die Produktion ist
lichtgesteuert und erreicht ihren maximalen Level zwischen 2 und 4 Uhr. Melatonin ist an der gesunden Schlafarchitektur beteiligt,
unterdrückt einzelne Geschlechtshormone, verbessert die Immunfunktionen und
wirkt lipophil als effizienter Radikal-Fänger in Membranen.
Außerdem bindet Melatonin an Transkriptionsfaktoren des Zellkerns und hat
dabei eine genregulatorische
Wirkung.
Alle Faktoren
zusammen bewirken eine Hemmung der Entwicklung einiger Tumorarten (wie
östrogen-rezeptorpositiven Brustkrebs und Prostatakrebs).
Der nächtliche Melatonin-Level kann durch Magnetfelder und
elektromagnetische Felder reduziert sein. Z.B. sind die Magnetfelder in
Hochspannungsleitungs-Nähe 2,5 mal höher als im Durchschnitt ohne diese
Leitungen und das elektrische Feld ist rund doppelt so hoch. Gemessen wird
oftmals die Konzentration des 6-Sulfatoxymelatonin (6-OHMS) im Morgenurin. Geringere 6-OHMS-Spiegel sind außer bei bei niederfrequenten
Magnetfeldern auch bei mehr Stunden Tageslicht, höherem Alter, höherem Body-Mass-Index, Alkoholkonsum, und der Medikamentation
mit Beta-Blockern, Kalzium- Kanal-Blockern, oder die Psyche beeinflussenden
Medikamenten zu finden.
Menschen mit höherem Alter,
höherem Gewicht, Einnahme von Beta-Blockern und Kalzium-
Antagonisten sind empfindlicher
gegenüber den Feldern (CRASSON et al. 2001, LEVALLOIS et al. 2001).
Der Effekt der Exposition zu
Magnetfeldern (60 Hz) ist im Sommer bei Frauen besonders gravierend.
Das Risiko einer
Brustkrebserkrankung ist erhöht (DAVIS et al.2001)
Auch bei Handy-Nutzung länger 25
Minuten ergeben sich ab 3. Tag reduzierte nächtliche 6-OHMS-Werte.
Sind die Personen außerdem auch
noch höheren 60 Hz Magnetfeldern ausgesetzt, reduzierten
sich die Melatonin-Werte
noch mehr (BRUCH et al. 2002).
Es werden zwei
Erklärungsmechanismen für den niedrigen Melatoninlevel
im Einfluss von
Magnetfeldern und
elektromagnetischen Schwingungen diskutiert:
1.verminderte Produktion von Melatonin bzw. verminderte Ausschüttung
2.verstärkte Aufnahme von Melatonin in die Zelle und verstärkter „Verbrauch“ zur
Beseitigung einer
verstärkt stimulierten
Freien-Radikal-Freisetzung
Ein weiterer
Mechanismus wurde deutlich: demnach können Magnetfelder (60 Hz, mit 1,2 bzw.
100 µT in
menschlichen
Blutkrebszellen die Wirkung der Melatonin-Rezeptor-Kopplung
zur Adenylzyklase unterbrechen. Interessant ist
hierbei, dass sich bei der verwendeten Zelllinie Subklone entwickelten, die
besonders magnetosensibel waren (ISHIDO et al. 2001).
Bereits zum vierten Mal wurde ein
Ergebnis in Wiederholungsstudien zur indirekten krebsfördernden Wirkung
reproduziert (ANDERSON und MORRIS 1998).
1.
Experiment von Robert Liburdy,1993 (Journal of Pineal Research 14, 89-97)
2. Wiederholungs-Experiment von
Carl Blackman, 1996
3. Wiederholungsexperiment von
Carl Blackman and Richard Luben,
1996
Es geht darum, dass der positive
Effekt von Melatonin auf die Hemmung von Krebszellen
aufgehoben wird, wenn die Zelle schwachen Magnetfeldern (1,2 µT, 60 Hz)
ausgesetzt werden. Die verwendeten menschlichen Brustkrebs-Zellen (MCF-7)
teilten sich in diesem Fall ungehemmt weiter. Bei 0,2 µTmagnetfeldern
war dieses ungehemmte Wachstum nicht zu sehen. Wurde das Medikament Tamoxifen zugegeben, kam es zu einer antiproliferativen
Wirkung, die aber durch das Magnetfeld wieder aufgehoben wurde(MICROWAVE NEWS July/August 1998, 3).
d)
Permeabilitätserhöhung von Zellmembranen
Sechs unabhängige Laboratorien
haben einzeln folgendes gleiches Ergebnis erzielt.
Bei Erythrozyten mit Bestrahlung
2450 MHz, 0-100mW/kg SAR ist die Na+ - Permeabilität der
Membran gesteigert. Der Influx nimmt in Abhängigkeit der Temperatur zu Optimum 17 -
19,5 °C
(Phasen Transition
der Membran Struktur) (LIBURDY 1994).
Der Effekt ist:
• linear mit Feldstärke 0-600 V/m,
• reversibel,
• verstärkt bei erhöhtem Sauerstoff,
• reduziert bei Präsenz von Antioxidantien Ascorbinsäure und β-Mercaptoethanol (Quencher
von Freien Radikalen)
Eine neue Studie von einer
Arbeitsgruppe um Leif Salford (Universität Lund, Abteilung
Neurochirurgie) hat bei Ratten
Hirnschäden nachgewiesen, nachdem diese 2 Stunden der Strahlung handelsüblicher
GSM-Handys ausgesetzt wurden. Die Studie fand eine kausale Korrelation von der
elektromagnetischen Immission und dem Eindringen von Albumin durch die
Blut-Hirn-Schranke. Daraufhin kam es zu Neuronenschäden, die in Abhängigkeit
von der Stärke der Strahlung zunahmen.
Die Forscher untersuchten 12- bis
26-Wochen alte Ratten. „Die Situation des wachsenden Hirns könnte besonders
problematisch sein“, schreiben die Autoren der Studie, „da biologische und
Wachstumsprozesse besonders
verletzlich sind. Wir können nicht ausschließen, dass es nach jahrelanger
häufig täglicher Nutzung bei einer ganzen Generation von Nutzern schon im
mittleren Alter zu negativen Folgen kommen kann." (SALFORD et
al. 2003).
e)
Zellen ballonieren und verlieren Bindungen
90 Minuten Mikrowelleneinfluß bei 37°C und 7 mW/kg erhöht den passiven
Na+-Influx in
die Zellen 1,6 - 2-fach. Die aktive Pumpe an der Zellmembran, die Na+ normalerweise
wieder herauspumpen muss, ist gleichzeitig gehemmt. Die Zelle wird mit Na+ überladen, dies
zieht zwangsweise Wasser nach sich.
2500 MHZ, 0,117
mW/kg bewirkt eine Unterbrechung der Verbindung von gebundenen polyclonalen Anti-IgG von dem Ig Rezeptor (LIBURDY 1994).
Proteinbindung an
Zelloberflächen
Bei Bestrahlung
mit 2450 MHz, 60 mW/kg, 30 Minuten lösen sich die Proteine doppelt so häufig
gegenüber der Kontrolle von der Zelloberfläche (normalerweise gebunden durch
van der Waal-Kräfte und elektrostatische Kationen-Bindungen). Proteinanlagerungen sind notwendig für
Signaltransfer in die Zelle für Funktionsgleichgewicht.
Der Effekt wird
vergrößert durch:
• erhöhte
Sauerstoffzufuhr (Hyperoxie)
• erniedrigte
Sauerstoffzufuhr (Hypoxie)
• erhöhten Freier Radikal-Level
• spezifische
Temperatur
Ursache: Kationen-Brücken (Ca++ ) werden durch die Mikrowelle
destabilisiert. Es wird spekuliert, dass auch die DNA betroffen ist und die
Proteinsynthese (LIBURDY 1994)..
Was
läuft falsch?
Argumente 1.–8. sind zur besseren
allgemeinen Verständlichkeit vereinfacht dargestellt
1. Der hohe Aktienanteil des
Bundes an einer Betreiber-AG wirft
Interessenkonflikte auf.
2. Der Beweis einer
gesundheitlichen Ungefährlichkeit von Basisstationen ist von Betreibern nicht
erbracht. Trotz konsistenter Hinweise einer gesundheitlichen Beeinträchtigung
der Menschen in der Umgebung elektromagnetischer Sender werden Sende-Antennen
weiter aufgebaut. Die Versicherungsfrage ist ungeklärt.
3. Die entscheidenden
wissenschaftlichen Berater der Politik betonen stereotyp, dass nach derzeitigem
Wissensstand im Mobilfunkbereich kein Beweis einer Beeinträchtigung existiert.
Genau genommen ist das richtig – aber dabei wird verschwiegen, dass im Bereich
der elektromagnetischen Schwingungen außerhalb des Mobilfunk-Bereichs eine
Fülle von wissenschaftlich relevanten Ergebnissen vorliegt.
Verpflichtet man sich der
wissenschaftlichen Wahrheitsfindung, dann sind diese Ergebnisse als
Hinweise in ein plausibles
Gesamtbild einzubeziehen .
4. Laut Nomenklatur der
Wissenschaftspraxis setzt ein Beweis voraus, dass das betrachtete Ergebnis
beliebig unter gleichen Bedingungen reproduzierbar sein muss
(Objektivierbarkeit). Beim Menschen ist dieses Postulat illusorisch, denn beim
Menschen sind weder intraindividuell, noch
interindividuell gleiche Bedingungen zu finden oder aufrechtzuerhalten. Z.B.
Stoffwechsel und Vegetatives Nervensystem des Menschen wechselt in kürzesten
Zeitabständen (auch in Abhängigkeit der jeweiligen Gedanken und Gefühle,
Nahrung, Genussmittel u.a.) und sind deshalb niemals konstant einzustellen und
zu halten (Subjektivität). D.h. ein Beweis der Gesundheits-Beeinträchtigung der
Menschen durch Mobil- und Kommunikationsfunk ist ad definitem niemals zu
erbringen, während gleichzeitig der einzelne Mensch „nicht-reproduzierbar“
schwer krank werden kann.
5. Alle epidemiologischen
Untersuchungs-Ergebnisse zum Gefahr-Potential (Tumore, vegetative
Störungen) der
elektromagnetischen Mobil- und Kommunikations-Antennen sind durch mein
Wirkmodell (Freie Radikal-NO-Level versus Antioxidanz-Level) plausibel gestützt. Somit sind die
epidemiologischen Ergebnisse wissenschaftlich akzeptabel.
6. Der heutige Stand
wissenschaftlicher Ergebnisse im Gesamtbild erfordert zwingend die Anwendung
des Vorsorge-Prinzips laut EU-Recht.
7. Die auf dem Gebiet
elektromagnetischer Feld-Wechselwirkungen allein gültige Quantenphysik wird
allgemein nicht beachtet. Vorliegende Aussagen, die keine beeinträchtigenden
Wechselwirkungen unter Anwendung der Klassischen Physik feststellen können,
sind wertlos, da die Klassische Physik hier als falsch erkannt worden ist.
8. Die verantwortliche Kommission
hat bereits im Niederfrequenz-Bereich die Politiker unzureichend beraten
(„sicherer Grenzwert der Induktion 100µT“). Die IARC, Lyon warnt ab 0,4µT vor
Krebs- Risiko. Die Kritiker lagen dagegen mit ihrem empfohlenen Grenzwert
richtig.
Vorsorge-Regelungen
sind längst überfällig
Im Absatz 2 und 3 des Artikels
174 des EG-Vertrags heißt es: „Die Umweltpolitik der Gemeinschaft zielt unter
Berücksichtigung der unterschiedlichen Gegebenheiten in den einzelnen Regionen
der Gemeinschaft auf ein hohes Schutzniveau ab. Sie beruht auf den Grundsätzen
der Vorsorge und Vorbeugung, auf dem Grundsatz, Umweltbeeinträchtigungen mit
Vorrang an ihrem Ursprung zu bekämpfen, sowie auf dem Verursacherprinzip.“
„Bei der Erarbeitung ihrer
Umweltpolitik berücksichtigt die Gemeinschaft die verfügbaren
wissenschaftlichen und
technischen Daten.“
Literatur beim Verfasser