Filmmaker Ferry Radax zu Gast im Erzherzog-Johann-BORG Bad Aussee
Biographie:
Radax, Ferry, * 20. 6. 1932 Wien, Filmemacher. 1949 erste Filmversuche, studierte ab 1953 an der Filmakademie, etablierte sich innerhalb der Wiener Szene des Avantgardefilms der 50er und 60er Jahre mit Stilmitteln der Collage- und Montagetechnik, schuf insbesonders Künstlerporträts (J. Joyce, K. Bayer, T. Bernhard, F. Hundertwasser und andere) sowie Industriefilme, Werbespots. Filmarbeit auch in Italien, in der Schweiz und in Deutschland.
Der 'Ulysses' von James Joyce (erstmals 1922 publiziert) gilt als der bedeutendste oder zumindest als einer der bedeutendsten Romane des 20. Jahrhunderts. Die Handlung spielt am 16. Juni 1904, der als 'Bloomsday' gefeiert wird. Vordergründige Ebene des als unlesbar verschrieenen Buches - 'Das Buch ist ein Schwein', so Nora, Joyce's Ehefrau - ist ein Tag und eine Nacht im Leben einer einzigen Stadt, Dublin.
Doch Zeit und Ort werden durch mythische und historische Bezüge entgrenzt, vor allem zu den markanten Stationen der Homerischen Odyssee, für Joyce 'der menschlichste Stoff der Weltliteratur'.
Die drei Hauptpersonen dieser exemplarischen Alltagsodyssee durch die irische Hauptstadt und zugleich durch alle Bereiche der inneren Erfahrungswelt sind: der jüdische Annoncenakquisiteur Leopold Bloom (als unheldischer Odysseus), seine Frau Molly (als eine das ewig Weibliche auslebende Penelope) und Stephen Dedalus, der noch unfertige, junge Schriftsteller aus Joyce's 'A Portrait of the Artist as a Young Man' (1916) als Odysseus-Sohn Telemach auf Vatersuche. Auf getrennten Wegen, sich einander nähernd, bald entfernend, durchstreifen Bloom und Dedalus die Stadt, wobei ihre in 18 Episoden beschriebenen Erlebnisse von 8 Uhr morgens bis nach 2 Uhr früh am nächsten Tag durch die Verschmelzung der vulgären Realität mit Projektionen aus Literatur, Philosophie, Theologie, Mystik und Psychologie universelle Bedeutung erhalten. Die Gestalten werden zu Archetypen der westlichen Zivilisation, die Gegenwart wird zeitlos.
Ferry Radax führte gekonnt in sein filmisches Werk zum "Ulysses" ein, in der Hauptrolle seiner Verfilmung spielt Helmut Lohner den möglicherweise wiedererschienen , möglicherweise auch illusionären Joyce, der anläßlich der Feier eines Bloomsdays in Zürich ein möglicherweise fiktives Gespräch mit einem Journalisten führt. So muss Literatur filmisch aufbereitet werden.


