Angriff auf Immunsystem

29.03.2007 | Quelle: Salzburger Nachrichten
Studie: Handymasten schwächen Abwehrkräfte

Salzburg. Die neue Landesregierung hat in ihrem Regierungsübereinkommen festgelegt, den Salzburger Grenzwert betreffend der Strahlung von Handymasten überprüfen zu lassen. Die entsprechende Prüfung war bereits 2005 in Auftrag gegeben worden, bis Ende April will man mehrfach abgesicherte Ergebnisse vorlegen können.

Laut aktuellem Zwischenstand kommt die Studie zu dem Schluss, dass die Salzburger Orientierung am Vorsorgegedanken gerechtfertigt scheint. Brisantes Ergebnis: Die Strahlung der Handymasten kann das Immunsystem jener Menschen schwächen, die in der Nähe der Sendeanlagen leben.

Auf Grund der Bedeutung der Ergebnisse für die überregionale Diskussion werden die Unterlagen zur Zeit noch durch die Akademie der Wissenschaften begutachtet, so der Leiter der Wissenschaftsabteilung des Landes Salzburg, Gerfried Brandstetter. Die Umweltmedizin des Landes Salzburg vertritt seit etlichen Jahren das Prinzip des vorsorgenden Gesundheitsschutzes bei der Bewertung der Auswirkungen von Mobilfunksendeanlagen.

Diese Position der Umweltmedizin des Landes Salzburg wird international heftig diskutiert. Die Studie wurde von Prof. Dr. Gerhard Hacker (Institut für Grund- und Grenzfragen der Medizin) in Zusammenarbeit mit Univ.-Prof. Dr. Gernot Pauser (SALK) durchgeführt. Die bislang vorliegenden Ergebnisse weisen darauf hin, dass der Salzburger Vorsorgewert nachvollziehbar sei.

 

Lokal

Gegen Masten bei Schulen

22.03.2007 | Quelle: Salzburger Nachrichten
Die Strahlung von Handymasten kann das Immunsystem schwächen. Das ist das brisante Ergebnis einer Studie im Auftrag des Landes.

THOMAS HÖDLMOSERSalzburg (SN). Die Auswirkungen der Strahlung von Handymasten sind ernster als bisher angenommen. Das geht aus einer noch nicht veröffentlichten Studie Salzburger Mediziner hervor.

Die Wissenschafter haben in den vergangenen eineinhalb Jahren die Auswirkungen der Strahlung von GSM-Mobilfunk-Sendestationen auf die Menschen in der Umgebung untersucht. Der vorläufige Abschlussbericht liegt jetzt den SN exklusiv vor. Ergebnis: Die Handymastenstrahlung kann das Immunsystem jener Menschen schwächen, die in der Nähe der Handymasten leben.

"Das körpereigene Abwehrsystem wird tatsächlich geschwächt", heißt es im Bericht. Unter anderem zeigte sich eine Veränderung im Cortisolspiegel (einem Stressmarker). Es gab auffällige Veränderungen beim Alpha-Amylase-Spiegel (einem weiteren Stressmarker) sowie beim Immunglobulin-A-Spiegel (Antikörper-Ausschüttung im Speichel).

Langzeitbelastung kann Schäden auslösen Betroffen sind der Studie zufolge vor allem Personen, die dauernd der Strahlung durch Handymasten ausgesetzt sind: "Langzeitexposition könnte zu chronischen Stressbelastungen führen, die in der Lage wären, nachhaltig gesundheitliche Beeinträchtigungen oder Schäden hervorzurufen."

Wenn das Immunsystem geschwächt wird, ist der Mensch anfälliger für diverse Krankheiten. Kranke Zellen haben bessere Überlebenschancen. Die Experten empfehlen deshalb, im Bereich "sensibler" Einrichtungen wie Krankenhäusern, Sanatorien, Schulen und Kindergärten keine Mobilfunk-Sendeanlagen zu montieren.

Eine weitere Schlussfolgerung betrifft den Salzburger Vorsorgewert aus dem Jahr 1998. Dieser von der Mobilfunkindustrie heftig kritisierte Wert sei "absolut gerechtfertigt" und liege "eher zu hoch als zu niedrig".

57 Testpersonen wurden untersucht. Als "Feldlabor" diente ein Raum in der Koko-Kinderbetreuungseinrichtung in der Vogelweiderstraße in Salzburg. An der Außenseite des Gebäudes ist eine GSM-Handy-Antenne montiert. Im Nahbereich gibt es eine Reihe weiterer Sendeanlagen. Unter anderem wurden in dem Messraum Speicheltests zur Feststellung der Immunwerte durchgeführt. Zusätzlich zu biochemischen, physikalischen und medizinischen Tests gab es psychologische Befragungen.

Das Forum Mobilkommunikation reagierte auf SN-Anfrage zurückhaltend. "Ich kenne die Studie nicht. Ich kann dazu noch nichts sagen", sagte Geschäftsführer Maximilian Maier. Der Salzburger Vorsorgewert sei aus seiner Sicht "unrealistisch".

Derzeit wird die Studie von der Akademie der Wissenschaften geprüft. Weiterführende Nachuntersuchungen sind im Gange. Diese werden von Daniell Porsche finanziert und werden voraussichtlich im Sommer 2007 abgeschlossen sein.