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Grundlagen
GSM-Netz Im Jahre
1982 trafen sich 26 Europäischen Vertreter der
Telekommunikationsverwaltungen und verabschiedeten zwei bedeutende Beschlüsse.
Zu einem bildeten sie eine Gruppe zur Entwicklung von Standards für das
europaweite zellulare Mobilfunknetz. Diese Gruppe arbeitete unter dem
Namen "Groupe Spécial Mobile". Zum anderen wurde eine
Empfehlung zur Reservierung von zwei Frequenzblöcken im 900 MHz-Band
verabschiedet. Dadurch
wurde der unkontrollierten Entwicklung eigenständiger nationaler
Mobilfunksysteme entgegengetreten. Im Jahr 1987
wurde das Memorandum of Understanding (MoU) verabschiedet. Dies
enthält die Richtlinien und Vorgaben zur Errichtung eines GSM-Netzes.
Nach und nach schlossen sich über 27 Netzbetreiber aus 18 Ländern diesem
MoU an. In diesem MoU wurden die Grundlagen des Mobilfunknetzes
beschrieben. Im März 1989 übernahm die ETSI (European Communication
Standard Institue) die Koordination der GSM-Tätigkeiten. Zu diesem
Zeitpunkt wurde aus der ursprünglichen Groupe Spécial Mobile die Global
System for Mobile Communication. Der Tele- und Trägerdienst
Von Anfang
an war in dem MoU zwei hauptsächliche Dienste vorgesehen, und
zwar die Teledienste (Sprachübertragung, SMS und Faxübertragung) und die
Trägerdienste (leitungsvermittelte,
asynchrone,
Daten-übertragung). Zuerst wurde hauptsächlich der Teledienst aufgebaut.
In den Jahren 1994 und 1995 wurde von dem beiden deutschen Betreibern
Mannesmann Mobilfunk und DeTeMobil der Trägerdienst vollständig
ausgebaut. Aber warum
wird zwischen Tele- und Trägerdienst unterschieden? Im herkömmlichen
Telefonnetz steht dem Anwender ein Kanal mit einer bestimmten Bandbreite für
Gespräche oder Datenübertragung zur Verfügung. Der Kanal ist unabgängig
vom Dienst. Für eine Übertragung eines Gespräches ist im ISDN
eine Datenrate von 64 kBit/s nötig, um den Frequenzbereich der
menschlichen Sprache von 400 Hz bis 3400 Hz mit einer Abtastrate
von 8 kHz bei 8 Bit Auflösung zu übertragen. Sendefrequenzen
Das D-Netz
arbeitet in einem Sendefrequenzbereich von 900 MHz, jede Verbindung (also
ein Funkkanal) hat zwei Funkrichtungen, in Uplink- und Downlink-Richtung.
Dieses Uplink- und Downlinkpaar haben einen Frequenzabstand von 45 MHz
(dies ist der Duplexabstand). Insgesamt gibt es 124 solcher Funkkanäle,
wobei zwischen zwei benachbarten Kanälen jeweils ein Kanalabstand von 200
kHz eingehalten wird. Der erste Kanal beginnt bei 890.2 MHz (uplink) bzw.
935.2 MHz (890.2 MHz+45MHz) (downlink).
Abbildung
1: Duplexabstand zwischen Uplink- und Downlinkfrequenzen Die Übertragung
von Gesprächen geschieht also auf mehreren Frequenzen gleichzeitig, dies
ist ein simples Frequenzmultiplex-Verfahren mit dem Namen Frequency
Division Multiple Access (FDMA). Zeitschlitze
Jeder dieser
Frequenzträger wird nun aber noch weiter in 8 sogenannte
"Zeitschlitze" (time slots) unterteilt, dadurch entstehen
also acht physikalische Kanäle; dieses Verfahren zum zerteilen der
Frequenzträger nennt man Time Division Multiple Access (TDMA),
es ist ein Zeitmultiplex-Verfahren:
Abbildung
2: Ein zerteilter Frequenzträger im TDMA-Verfahren Die Abfolge
von 8 Timeslots nennt man auch TDMA-Rahmen (oder
einfach "Frame") und sie dauert 4,615ms (Pulsfrequenz
also 217 Hz); ein Zeitschlitz somit 4,615/8 = 0,576875ms. Die in
diesem Zeitintervall übertragenen Daten bezeichnet man als Burst,
im GSM sind es 156,25 Bit (1 Bit = 3,692 µs).
Abbildung
3: TDMA-Burst Kompressionsverfahren
Im Endeffekt
stehen einem Teilnehmer in einem Zeitschlitz 22 kBit/s zur Übertragung
von Daten und Sprache zur Verfügung, aber durch aufwendige
Steuerungsaufgaben reduziert sich die tatsächlich nutzbare Bitrate auf
13 kBit/s. Zudem ist die Fehleranfälligkeit auf dem Übertragungsweg
Luft sehr hoch. Durch diese Rahmenbedingungen mußte man sich ein
verlustbehaftetes Kompressionsverfahren einfallen lassen, um irrelevante
Sprachanteile zu erkennen und wegfallen zu lassen. Aufgrund der
unvermeidbaren Bitfehler auf der Luftschnittstelle sollte der (De-)
Komprimierungsalgorithmus auf der Empfängerseite auch dann noch in der
Lage sein, ein annehmbares Signal zu erzeugen, wenn einzelne Bits verfälscht
bzw. ganze Datenpakete verloren gehen. Denn aufgrund der Echtzeitübertragung
kann ein Datenpaket nicht neu angefordert werden. Durch langwierige Hörtests
wurde aus der Kombination dreier Verfahren ein Algorithmus gebildet.
Dieser hat die schwierige Abkürzung RPE/LTP-LPC (Regular Pulse
Excitation/Long Term Prediction - Linear Predictive Coding). Zusätzlich
wurde eine höchstkomplizierte Sprechpausenerkennung (Voice Activity
Detection, VAD) integriert. Diese versucht Sprechpausen zu erkennen
und für diesen Zeitraum die Datenübertragung abzuschalten. Damit der
Empfänger nicht durch die Funkstille irritiert wird, wird beim Empfänger
ein passendes künstliches Rauschen simuliert. Da meistens nicht beide
Gesprächspartner gleichzeitig sprechen, kann allein schon 50 % der (Duplex-)Bandbreite
gespart werden. In der Praxis pendelt sich der Einsparungswert auf 35% bis
45% ein. Dies spart nebenbei sogar noch Akkuleistung, da ja in der Pause
nicht gesendet wird.
Abbildung
4: Der Ablauf einer Kodierung Das
digitalisierte Signal wird durch einen Prozessor in viele 20ms Häppchen
zerlegt. Diese Sprachhäppchen werden nach bestimmten Sprachmodellen
analysiert und dann synthetisiert. Daher ergibt sich bei der Übertragung
von Sprachsignalen im GSM immer eine Verzögerung von mind. 20ms. Dieses
auf 13 kbps
komprimierte Signal wird nun mit einigen wichtigen Redudanz- und Prüfsummen
versehen. Die Bandbreite erweitert sich dadurch wieder auf 22.8kbps. Da
durch dieses komplizierte Verfahren das ursprüngliche Signal so zerlegt
und verfremdet wird (z. b. durch weglassen von unwichtigen
Frequenzbereichen), hat man nicht mehr die Gewißheit, daß ein bestimmtes
vom Sender gesendetes Signal in der ursprünglichen Form beim Empfänger
ankommt. Der Empfänger decodiert ein dem gesendeten ähnliches Signal.
Daher kommt es zum einem technischen Problem für das herkömmliche Modem:
Ein Modem nutzt den Frequenzbereich des Übertragungskanals relativ
gleichmäßig aus, das aber setzt ein überwiegend konstantes Übertragungsverhalten
des Kanals voraus. Ein GSM-Sprachkanal bietet aber nicht diese
Voraussetzungen.
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