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Grundlagen
UMTS-Netz 1. EinleitungUMTS - Universal Mobile
Telecommunications System - ist in aller Munde seit im Herbst des Jahres 2000
sechs Telekommunikationsfirmen 98,8 Milliarden DM für die UMTS-Frequenzen
bezahlten. Doch was steht hinter diesen vier Buchstaben, das den Einsatz
solcher Geldmengen rechtfertigt? Außer den vielseits zitierten Stichwörtern,
wie "UMTS - der Mobilfunkstandard der dritten Generation" oder
"UMTS eröffnet neue Multmedia- Welten" ist allgemein nur wenig
bekannt. Nach Ansicht der Telekommunikationsfirmen wird UMTS aber schon in
wenigen Jahren aus dem gesellschaftlichen Leben nicht mehr wegzudenken sein, da
es die Grundlagen für eine schnellere und effizientere mobile Datenübertragung
liefert und dies zu Konditionen, die nicht nur für Unternehmen sondern auch für
Privatkunden sehr verlockend sein sollen. Die
nun folgenden Seiten sollen einen kurzen Überblick über das Thema UMTS
vermitteln, ohne dabei zu genau auf Details eingehen zu wollen und zu können,
da viele Details des zukünftigen Standards auch noch gar nicht abschließend
geklärt sind. 2. Visionen der TelekommunikationsbrancheSchenkt man den Worten der
an der Versteigerung erfolgreichen Telekommunikationsfirmen Glauben, so werden
die zukünftigen Geräte Alleskönner sein. Sie können im Internet surfen, die
Termine und Texte ihrer User verwalten, Musik und Video online abspielen,
Bildtelefonieren und Video-Mails senden, interaktive Spiele ermöglichen ... -
und dies alles mobil!
Das GSM-Handy mit der
maximalen Übertragungsrate von 9.600 Bit/s wird schon als Auslaufmodell
betrachtet, da trotz der geplanten oder bereits in Betrieb genommenen
technischen Erweiterungen von GSM, wie GPRS (General Packet Radio Service; vgl.
Vortrag Stefan Link) mit 172.800 Bit/s oder auch HSCSD (High-Speed-Circuit-Switched-Data) mit 57.600 Bit/s, diese Geräte den UMTS
Geräten nicht gewachsen sein werden. Denn die anvisierten Übertragungsraten von
UMTS sprechen für sich. UMTS soll bis zu 32 mal schneller sein als ISDN - und
das auf Basis mobiler Kommunikation! Innerhalb der sogenannten Hotspots in
Innenstädten oder Gewerbegebieten soll die maximale Übertragungsrate 2.097.152
Bit/s und in sonstigen Bereichen 384.000 Bit/s betragen. Ein
kleines Beispiel zur Verdeutlichung der Geschwindigkeitsunterschiede: Zum
Download eines Bildes mit 2,8 MB benötigt:
Daraus lässt sich ablesen,
dass UMTS - sollte es die dargestellten Erwartungen erfüllen - durchaus einen
Quantensprung in der mobilen Telekommunikation bedeuten würde. Aufgrund der
hohen Übertragungsraten würden Dienste ermöglicht, die in alle Bereiche des
gesellschaftlichen Lebens vordringen würden. 2.1 Der private BereichIm privaten Bereich soll
UMTS seinen Siegeszug vor allem mit Unterhaltungsdiensten antreten. Neben dem
Zugriff auf Internetseiten spielt dabei die Bild-Telefonie eine zentrale Rolle.
Daraus folgt dass bequeme Bild-Telefonate, Video-Kontaktanzeigen oder
Short-Video-Service, statt Short-Message-Service (SMS), ermöglicht werden. UMTS
soll auch die Spielewelt revolutionieren: Dank der hohen Übertragungsraten
werden interaktive Gameshows und Online-Spiele möglich. 2.1 Der geschäftliche BereichErste Nutzer der neuen
Technologie werden die Unternehmen sein. Durch Telearbeit spielt es schon heute
keine Rolle mehr, wo sich die Mitarbeiter befinden. Mit mobilen
Videokonferenzen über das UMTS-Telefon ist persönlicher Kontakt aber stets
garantiert. Hochgeschwindigkeits-Datenverbindungen
erlauben von überall aus den Zugriff auf das firmeneigene Intranet, wo wichtige
Daten ohne lähmende Ladezeiten auf Abruf bereitstehen. UMTS erschließt den
Firmen auch neue Einnahmequellen. Werbebanner könnten zukünftig ständig über
das Display laufen um so werbefinanziertes Telefonieren zu ermöglichen. 2.3 Der automobile BereichInsbesondere unterwegs ist
Information und Unterhaltung durch mobiles Internet von großem Nutzen. In
(schneller) Bewegung werden nach heutigem Kenntnisstand zwar nur 144.000 Bit/s
zur Verfügung stehen. Doch dies ist absolut ausreichend für ein umfassendes
Navigationssystem, das mittels UMTS ganze Landkarten ins Auto überträgt oder
aber über das Internet die Reiseplanung von unterwegs aus durch Aufruf von
Stadtinformationsdiensten kurz vor der Ankunft ermöglicht. Auch E-Mail,
Web-Bedienung, Musik aus der persönlichen Internet-Datenbank runden das Angebot
für die Mitfahrer ab. Alles
in allem sind die Zukunftsaussichten für die mobile Datenkommunikation rosig.
Man darf allerdings gespannt sein, ob die geplanten Übertragungsraten und mit
ihnen die genannten Dienstleistungen auch wirklich realisiert werden können,
denn dazu müssen noch etliche technische Hürden überwunden werden. 3. Die Versteigerung der Frequenzen3.1 Was wurde versteigert?Insgesamt konnten von den
Telekommunikationsfirmen in der ersten von zwei festgelegten Versteigerungen eine
Frequenzbandbreite von 60 Megahertz (MHz) ersteigert werden. Diese 60 MHz
wurden von der Regulierungsbehörde für Telekommunikation (Ausrichter der
Auktion) unterteilt in zwölf gepaarte 5 MHz Blöcke. Damit bestand ein zu
kaufender Frequenzblock aus insgesamt 10 MHz, wobei diese jeweils aufgeteilt
sind in Frequenzen für den Up- und den Downlink. Uplink steht hierbei für die
Frequenzen die zur Übertragung von Daten vom Mobilgerät zur Basisstation
benötigt werden, während der Downlink die Rückrichtung bezeichnet. Jeder Bieter
konnte mindestens zwei, maximal aber drei 5 MHz Blöcke ersteigern, so dass
mindestens vier und höchtens sechs Firmen zum Zuge kommen sollten. In
der zweiten Versteigerungsrunde wurden fünf Zusatzpakete mit je 5 MHz ungepaart
versteigert. Diese Zusatzfrequenzen sollen Kapazitätsengpässe verhindern und
waren den Firmen vorbehalten, die bereits in der ersten Runde erfolgreich
waren. Die
vergebenen Frequenzen liegen alle im Bereich 1900 - 2025 MHz und 2110 - 2200
MHz, wobei diese Frequenzbereiche global (vgl. Kap. 4.2) als UMTS bzw. IMT-2000
(andere Bezeichnung für UMTS) Standardfrequenzen reserviert sind. 3.2 Das Ergebnis der VersteigerungDie erste Versteigerung
endete mit zwei großen Überraschungen: Die maximale Anzahl von sechs Lizenznehmern
erhielten eine Lizenz und mit einem Auktionserlös von 98,8 Milliarden DM
übertraf die UMTS-Auktion alle Erwartungen. Um die Höhe des Erlöses der Auktion
ungefähr einordnen zu können ein kleines Zahlenbeispiel: Der Betrag von 100
Milliarden DM umgelegt auf die Einwohner von Deutschland entspricht einem
Betrag von 1200 DM pro Person. In Österreich lag der umgerechnete
Versteigerungserlös gerade einmal bei 210 DM pro Kopf. Die
zweite Versteigerung dauerte nur einen Tag und erbrachte einen Erlös von 561 Mio.
DM, da Viag Interkom auf ein Zusatzpaket verzichtete. Die
Firmen (bei vielen handelt es sich um internationale Konsortien, da die
Finanzlast alleine nicht tragbar wäre) die UMTS Frequenzpakete ergattern
konnten: Mannessman/Vodaphone, T-D1/Telekom, 3G (Telefónica, Sonera), Mobilcom
(Mobilcom/France Télécom), e-plus (KPN/NTT/Hutchinson) und Viag Interkom (Viag
Interkom/British Telecom). 3.3 Gewinner und Verlierer der AuktionAls Gewinner lässt sich
zweifellos der Staat klassifizieren, da mit einem solch hohen Erlös keiner
gerechnet hatte. Auch
der Kunde wird von Fachleuten als Gewinner betrachtet, da er in Zukunft die
neue Technik von sechs unterschiedlichen Unternehmen beziehen kann und somit
ein Wettbewerb entsteht, der für den Kunden nur positive Auswirkungen haben
kann. Außerdem wird aufgrund der hohen Investitionen jedes Unternehmen bemüht
sein, möglichst schnell sein Netz aufzubauen. Ob
die Unternehmen, die Lizenzen ersteigert haben, Gewinner oder Verlierer sind
wird die Zukunft zeigen. Die Kompensation der entstandenen Kosten wird nicht
leicht sein, da UMTS Schätzungen zufolge erst 2010 Gewinne erbringen wird und
bis dahin große Investitionen für den Aufbau der neuen UMTS Netzinfrastruktur
getätigt werden müssen (ca. 8-10 Milliarden DM je Firma). Eindeutige
Verlierer sind Telekom und Mannessmann, da sie größere Frequenzpakete kaufen
wollten, dies aufgrund der hohen Preise aber nicht konnten und dadurch mit
einer starken Konkurrenz konfrontiert sind. Doch was ist mit den Unternehmen,
die keine Lizenz ersteigern konnten. Sind sie noch zukunftsfähig? Für diese
Firmen ist das Mobilfunkverfahren EDGE (Enhanced Data Rates for GSM Evolution)
gedacht. Damit lassen sich auf Basis der heutigen GSM-Netze, jedoch mit neuer
Technik, Übertragungsraten bis zu 384 Kbit/s realisieren. EDGE und UMTS haben
technisch vieles gemeinsam, wodurch Dualmode Geräte denkbar sind die den
Betrieb eines Gerätes in beiden Netzen ermöglichen. 4. Technik4.1 So funkt UMTSDamit UMTS die zuvor
erwähnten Übertragungsraten erreicht, stützt sich UMTS auf die bisherigen
Errungenschaften der bereits existierenden oder im Aufbau befindlichen Netze
und baut diese weiter aus. So vereint UMTS in seinem Kernnetz das Prinzip der
Circuit Switched Data (CSD) für kanalvermittelte Dienste (Basis von GSM) und
das Prinzip des Packet Switched Data (PSD) für paketvermittelte Dienste (Basis
von GPRS vgl. Stefan Link). Der kanalvermittelte Dienst zeichnet sich dadurch
aus, dass die Betriebsmittel bei Verbindungsaufbau belegt und erst bei
Verbindungsende wieder freigegeben werden. Bei PSD sind die Teilnehmer dagegen
permanent online. Jedes Datenpaket hat eine Empfängeradresse und wird vom
Endgerät aus dem Datenstrom herausgefiltert. UMTS nutzt CSD für Sprach- und
Textübertragungen während PSD für größere Datenmengen wie Bildübertragungen
oder Multimediaanwendungen gedacht ist. Außerdem
verwendet UMTS eine andere Art der Datenübermittlung. Während die
Mobilfunkstandards der zweiten Generation (GSM, GPRS...) jeden Kanal in
Zeitschlitze aufteilen (vgl. Vortrag Jens Pflüger) verwendet UMTS den Code
Division Multiple Access (CDMA)-Standard zur Übertragung der Daten. 4.1.1 Der CDMA StandardDer Unterschied zwischen
Time Division Multiple Acces (TDMA) wie in GSM und CDMA bei UMTS lässt sich
anschaulich mit Hilfe einer Analogie darstellen
CDMA weist jedem eingehenden
Signal einen speziellen Code (eine eigene Sprache) zu anhand dessen der
Empfänger des Signals dieses erkennen und decodieren kann. Im
Unterschied zu TDMA bzw. FDMA (Frequency Division Multiple Access) ist CDMA
auch eine Breitbandtechnik, d.h. jeder Teilnehmer nutzt beim Datentransfer das
gesamte Frequenzspektrum und nicht nur rasch aufeinanderfolgende Zeiteinheiten
bzw. kleine Frequenzausschnitte (vgl. Abb. 4.1).
Abb. 4.1: Unterschiede der Frequenzunterteilung bei
CDMA, TDMA und FDMA Ein UMTS-Kanal hat eine
Bandbreite von 5 MHz, während ein GSM-Kanal nur 0,2 MHz umfasst. CDMA
realisiert die Nutzung der vollen Bandbreite des Kanals mit einem auf dem DSSS
(Direct Sequence Spread Spectrum) basierenden Multiplexverfahren (mehrere
physikalische Kanäle werden auf einem Übertragungsmedium dargestellt). Bei DSSS
wird das zu übertragende Nachrichtensignal mit einer periodischen binären
Pulsfolge multipliziert, deren Taktrate höher ist als die der Nutzdaten. Die
Pulsfolge stellt den Code dar, der nur Sender und Empfänger bekannt ist und mit
Hilfe von Pseudozufallszahlen generiert wird. Die Pulse des Codes werden auch
"Chips" genannt. Diese
Multiplikation findet dabei nicht auf dem binären Strom aus Nullen uns Einsen
statt, sondern dieser wird vorher auf die Zustände 1 bzw. -1 abgebildet. Eine
Multiplikation hier entspricht also einer XOR-Operation (exclusive or) auf dem
Originalstrom. Diese Transformation wird vorgenommen, da man zum Senden eine
Schwingung zwischen -1 und 1 braucht und nicht zwischen 0 und 1. Das
Ergebnis der Multiplikation ist jetzt ein Sendesignal mit der höheren Bitrate
der Codesequenz. Das Frequenzspektrum des Nachrichtensignals hat eine
codeindividuelle Spreizung erfahren und benötigt für seine Übertragung eine
entsprechend größere Bandbreite. Die
gespreizten Signale werden auf einem gemeinsamen Kanal übertragen und am Ende
der Übertragung vom Empfänger durch digitale Filterung unter Einsatz des Codes
aus dem Signalgemisch herausgefiltert und wieder entspreizt (decodiert).
Doch wie erkennt der
Empfänger aus der Masse der Signale das für ihn bestimmte Signal. Bei TDMA
wissen Sender und Empfänger in welchem Zeitschlitz sich die Signale befinden
und können dieses somit von allen anderen Signalen innerhalb der Frequenz
unterscheiden. Man bezeichnet dies als Orthogonalität der Zeitschlitze. Geht
man davon aus, dass sich die Signalstärken der einzelnen Teilnehmer nicht
wesentlich unterscheiden und die Signalbits im selben Frequenzspektrum zur
gleichen Zeit übertragen werden, so kann man die Signale nur dann
auseinanderhalten, wenn durch Codierung die logische 1 des einen Teilnehmers
anders aussieht als die 1 aller anderen Teilnehmer. Die
von den Sendern verwendeten Codiervorschriften müssen so gewählt werden, dass
die Interferenzen bei den Empfängern trotz zeitgleicher Übertragung minimal
bleiben und somit der Empfänger aus der Masse der ankommenden Signale das für
ihn bestimmte erkennen kann. Die Anwendung eines orthogonalen
Pseudo-Noise-Codes (PN-Codes) zur Modulation der zu übertragenden Informationen
erfüllt diese Bedingung. Der
Empfänger, der die Codiervorschrift des Senders kennen muss, sucht das
breitbandige Signal nach dem Bitmuster der PN-Sequenz des Senders ab. Hat er
diese gefunden so kann sich der Empfänger auf den Codekanal des Senders
synchronisieren und das Signal auf seine ursprüngliche Bandbreite reduzieren.
Die jeweiligen Signale der anderen Sender, deren Code nicht mit dem des
Empfängers übereinstimmt, werden nicht auf deren Originalbandbreite
zurücktransformiert und tragen somit nur zum Rauschpegel des empfangenen
Signals bei. Abbildung
4.3 zeigt ein stark vereinfachtes Schema eines CDMA-Kommunikationssystems,
wobei die Benutzersignalfolge mit den individuellen Spreizsequenzen (PN1,
PN2,...) multipliziert und in einem gemeinsamen Kanal übertragen werden. Diese
Signale werden im Empfänger mit der kanalspezifischen Sequenz multipliziert,
entspreizt und durch einen Entscheider (bringt eingegangene Signale in die
richtige Reihenfolge) wieder hergestellt.
Insgesamt ergeben sich durch
das CDMA-Verfahren eine Reihe von Vorteilen für die funktechnischen
Übertragungen:
Aufgrund dieser
Eigenschaften ist es nicht verwunderlich, dass CDMA keine neue entwickelte
Technik ist sondern bereits seit einigen Jahren für militärische Zwecke
verwendet wird. Ein
Problem des CDMA-Standards ergibt sich aus der Tatsache, dass alle beim
Empfänger einfallenden Signalfolgen auf ca. 1dB genau gleichstark vorliegen
müssen, sonst unterdrückt das stärkere das schwächere Signal (Near/Far
Problem). Man benötigt somit eine schnelle Leistungssteuerung des Senders durch
den Empfänger (Power Control). Ein systembedingter Nachteil liegt auch darin,
dass Sender und Empfänger synchrone Pseudozufallszahlen generieren müssen. Von
mehreren Stationen gleichzeitig übertragen, können zufällige statistische
Überlagerungen dieser Zahlen auftreten, die zu Fehlern führen und somit
Maßnahmen zur Fehlererkennung und -korrektur erfordern. Die
codeindividuelle Spreizung des Signals beim CDMA-Verfahren ergibt eine
individuelle Bandbreite der Signale, was eine höhere Anzahl an gleichzeitig zu
übermittelnden Nachrichten pro MHz ermöglicht, als dies bei jeder anderen
Übertragungstechnik der Fall ist. Experten sind sich jedoch noch nicht einig
wie viel mehr dies sein wird. Denn
während bei TDMA bei maximaler Kapazitätsauslastung kein zusätzlicher Benutzer
mehr aufgenommen werden kann da alle Timeslots belegt sind, kann man beim
CDMA-Verfahren stets zusätzliche neue Nachrichten in die Kanäle einspeisen,
ohne das es zu einer Überlastung des Systems kommt. Der Grund hierfür ist, dass
durch die Spreizung mit verschiedenen orthogonalen Chipsequenzen orthogonale
Kanäle entstehen deren Summensignal null ist. Hierbei muss die Orthogonalität
nur näherungsweise erreicht werden, wodurch beliebig viele Signale codiert und
nach der Übertragung auch wieder decodiert werden können. Aber es gibt eine
noch nicht genau bestimmbare Schranke ab der die Qualität der Übertragung leidet,
da der beim Empfänger ankommende Rauschpegel so hoch wird, dass das eigentlich
zu decodierende Signal überdeckt wird und eine fehlerfreie Übertragung nicht
mehr gewährleistet ist. Wie
das GSM-System benötigt auch der UMTS-Standard immer ein Frequenz-Paar pro
Kanal: die Up- und Downlinkfrequenzen (vgl. 3.1). Derzeit sieht der
UMTS-Standard einen festen Abstand beider Frequenzarten (=Duplexabstand) von
190 MHz vor, d.h. zu einem Downlinkkanal von 1975-1980 MHz gehört ein
Uplinkkanal von 2165-2170MHz. Damit lassen sich jedoch nicht alle vorhandenen
Frequenzen optimal nutzen, weshalb die UMTS - Standardisierungsgremien über
einen variablen Duplexabstand diskutieren, was allerdings eine aufwändigere
Technik in den Endgeräten zur Folge hätte. 4.1.2 Die ZellatmungDie soeben erläuterte
CDMA-Technik hat einige kuriose Eigenschaften, von denen ich hier die
Zellatmung kurz behandeln möchte. Bei
GSM Systemen steht jedem Teilnehmer die volle Sendeleistung der Basisstation
zur Verfügung. Bei CDMA hingegen teilen sich alle Endgeräte die insgesamt zur
Verfügung stehende Ausgangsleistung der Basisstation. Somit ist die maximale
Sendeleistung, die eine Basisstation dem einzelnen Teilnehmer zuteilen kann,
von der Anzahl der in der Zelle aktiven Teilnehmer begrenzt. Die Situation wird
in Abb 4.5 dargestellt.
Je mehr Endgeräte also in
einer Funkzelle angemeldet sind, desto geringer wird die Reichweite der Zelle -
die Zelle "schrumpft". Der Grund hierfür ist, dass bei einer
Vermehrung der aktiven Endgeräte in einer Zelle das Hintergrundrauschen
(Signale der verschiedenen Teilnehmer) des Kanals zunimmt und somit eine
fehlerfreie Übertragung immer schwieriger wird. Um dies auszugleichen verstärkt
das CDMA-System bei jedem Endgerät das Übertragungssignal (Power Control). Ist
jedoch ein Gerät z.B. an den Rändern einer Zelle bereits am Maximum seiner Übertragungskapazität
angelangt, kann es mit den anderen verstärkten Signalen nicht mehr mithalten,
wird von diesen überlagert und ist somit nicht mehr im Empfangsbereich der
Basisstation bzw. liegt nun außerhalb der Zelle. Um
nichts desto trotz die erforderliche Netzabdeckung gewährleisten zu können,
muss der Netzbetreiber festlegen wie viele Verbindungen mit welcher Datenrate
in der Zelle erlaubt sind. 4.2 UMTS weltweitDer künftige
Mobilfunkstandard UMTS wird gerne als globaler Standard bezeichnet, was bedeutet
dass ein Benutzer eines UMTS-Handys in der Lage sein sollte von jedem
beliebigen Standort der Erde aus mit einem einzigen Gerät telefonieren zu
können. Doch die Realität sieht anders aus. Einigermaßen
standardisiert sind die Frequenzbereiche in denen UMTS funken soll, wobei auch
hier Probleme existieren, da z.B. in der USA der Frequenzbereich bereits
komplett belegt ist. Die
von UMTS verwendeten Übertragungstechniken werden sich jedoch in verschiedenen
Regionen der Welt deutlich unterscheiden. In
Europa und Japan wird Wideband-CDMA (WCDMA) verwendet werden, das im
wesentlichen nach der CDMA Technik arbeitet (vgl. 4.1.1). Zudem soll in Europa
noch TD-CDMA, eine Kombination von TDMA und CDMA, die sich besser für
asymmetrische Übertragungen (wie bei Multimedia-Anwendungen) eignet, zum
Einsatz kommen. In
China wird eine spezielle Variante der TD-CDMA verwendet namens TD-SCDMA, die
in einem besonderen Synchron-Modus arbeitet in dem alle Basisstationen synchron
senden und empfangen. In
den USA sind überwiegend noch analoge Funknetze verbreitet, die nach dem
TDMA-Prinzip arbeiten. Da diese Netze im Frequenzbereich um 800 MHz funken,
lassen sie sich nicht auf UMTS aufrüsten. Die Betreiber müssen das EDGE
(Enhanced Data Rates for GSM Evolution) System verwenden, einer mit UMTS
verwandten Breitband Funktechnik, die auf GSM-Frequenzen arbeitet. Wer
aber nun UMTS weltweit nutzen will, braucht somit ein Multimode-Gerät das all
die zuvor genannten Übertragungsverfahren unterstützt. Einige Hersteller werden
wahrscheinlich auch GSM in ihre Geräte packen, damit diese im Zeitraum des
Aufbaus der UMTS-Netze in die bereits existierenden Netze roamen (überwechseln)
können. 5. UMTS aus Sicht der SkeptikerDie bisherigen Darstellungen
der Ausarbeitung beruhen alle auf Prognosen und Modellen, deren reale Erprobung
und Umsetzung sich noch in weiter Ferne befindet. Zudem beruhen diese Daten
weitestgehend auf Aussagen der an dem neuen Standard beteiligten
Organisationen, wie z.B. den verschiedenen Standardisierungsgremien (ETSI,...)
oder aber den an UMTS beteiligten Telekommunikationsfirmen. Dass diese Daten
mit Vorsicht zu betrachten sind, ist leicht verständlich. Seit
Anbeginn der Diskussion über die Einführung von UMTS gab es Stimmen, die
besagten dass der UMTS-Standard die versprochenen Übertragungsraten nie werde
erbringen können. Und diese Stimmen mehren sich. Schon 1998 wurde von Experten
vorausgesagt, dass UMTS Phase 1 nicht alle ursprünglich gesetzten Ziele würde
erreichen können wird. Beispielsweise wurde klar, dass die für die großflächige
Funkversorgung vorgesehene UMTS-Funkschnittstelle, die mittels Frequency
Division Duplex (FDD) über symmetrische Funkkanäle überträgt, nicht besonders
gut zur Unterstützung asymmetrischer Dienste geeignet ist, wie sie z.B. bei der
Internet-Nutzung vorliegen (kurze Anfrage veranlasst lange Datenübermittlung
wodurch Hin- und Rückleitung unterschiedlich stark frequentiert werden). Seit
dies bekannt wurde, versucht man mit Hilfe technischer Neuerungen diese bereits
bekannten Schwächen auszumerzen, doch ob dies bis zur Markteinführung der
ersten UMTS-Endgeräte auch gelungen sein wird, vermag niemand vorherzusagen. Doch
auch aus Japan werden finstere Prognosen übermittelt. In Japan ist die UMTS
Entwicklung am weitesten fortgeschritten, so dass bereits im nächsten Jahr die
ersten UMTS-Dienste angeboten werden können. Doch einer der Pioniere der
Entwicklung der japanischen UMTS-Technik, das Telekommunikationsunternehmen NTT
DoCoMo, sagt voraus, dass die europäischen Firmen Probleme haben werden die
enormen Lizenzkosten wieder zurückzugewinnen. Man habe festgestellt, dass die
Technologie nicht zur Übertragung großer Datenmengen geeignet sei, teilte ein
Sprecher des Unternehmens mit. Lediglich als "Appetithappen" sei die
Übertragung von Videoclips oder Musikstücken denkbar. Die Datenübertragung der
vollständigen Anwendungen bleibe aber günstigeren und ausgereifteren Wegen
überlassen. Insgesamt
lassen sich die Argumente der Skeptiker zu sechs wesentlichen Standpunkten
zusammenfassen: 1.
Netzzugang: der Aufbau
der Netze dauert zu lange, die Technik ist erst mit großer Verspätung und dann
nur in den Städten verfügbar 2.
Netzqualität: die
versprochenen Datenraten lassen sich nicht realisieren, UMTS ist nur wenig
schneller als GPRS und EDGE 3.
Anwendungen: spezielle
UMTS Dienste sind zu langweilig oder fehlen ganz, wodurch das Kaufinteresse
schwindet 4.
Endgeräte: UMTS fähige
Handys kommen zu spät oder unausgereift zu überhöhten Preisen auf den Markt 5.
Gebühren: Grund- und
Verbindungsgebühren sind zu hoch und die Netzbetreiber bekommen die Kosten
nicht in den Griff 6.
Kundeninteresse: zu
wenige Kunden wollen UMTS - aus diesem Grund ist schon das
Satelliten-Mobilfunknetz Iridium gescheitert Wessen Prognosen sich
bewahrheiten werden, wird sich erst in einigen Jahren zeigen. Denn Fakt ist
dass die neue Technik am Anfang auf jeden Fall ihre Tücken und
Kinderkrankheiten besitzen wird, denn auch das GSM Verfahren benötigte viele
Jahre bis es sich durchsetzen konnte. 6. UMTS-NachfolgerWährend die
Mobilfunkbetreiber der dritten Generation gerade den Aufbau ihrer neuen
UMTS-Netze planen, denken manche Ingenieure schon über noch schnellere
Mobilfunksysteme nach. Dabei kristallisieren sich aus der Masse der Vorschläge
einige vielversprechende Konzepte für den Mobilfunk der vierten Generation
heraus. 6.1 UMTS-PlusUMTS-Plus ist eine
Weiterentwicklung des gerade verabschiedeten UMTS-Standards. Dabei werden
variable Datenraten genutzt bei denen sich z.B. die Bildqualität von
Videoübertragungen der im Netz aktuell verfügbaren Bandbreite anpasst. Auch die
Erhöhung der maximalen Bandbreite der UMTS-Kanäle soll zu noch höheren
Übertragungsraten führen. 6.2 HIPERLANDieser Standard ist
eigentlich für Breitband-Übertragungen in drahtlosen LANs (Local Area Network
ugs. lokale Rechnernetzwerke) gedacht. Die Übertragungsrate soll bis zu 25
MBit/s betragen und somit zehn mal so schnell als UMTS sein. Allerdings ist die
Reichweite auf 200 Meter beschränkt was zu wenig für Mobilfunk ist. Doch auch
hierfür gibt es bereits Lösungsansätze: Die Zugangspunkte zum Netz könnten in
Städten, entlang von Autobahnen und Bahnstrecken installiert werden. Damit
jedoch nicht alle 200 Meter ein solcher Zugangspunkt stehen muss, benötigt
nicht jeder Teilnehmer einen Zugang zur Basisstation. Möglich wäre eine
Datenvermittlung von Endgerät zu Endgerät, was zur Folge hätte, dass eine
Anwender auch dann Netzkontakt hat, wenn lediglich ein anderer Hiperlan
Benutzer in der Nähe ist, der seinerseits eine Verbindung zum Netz hat. Darüber
hinaus gibt es noch vielfältige Studien für bestimmte spezifische
Anwendungsgebiete, wie z.B. COMCAR das für Anwendungen in schneller Bewegung
(Fahrzeuge) gedacht ist und die Datenübertragung über digitale
Broadcast-Systeme realisiert. Bei
all diesen dargestellten Techniken muss jedoch erwähnt werden, dass es sich
hierbei um Visionen handelt und noch nicht mal ansatzweise geklärt ist ob und
auf welche Art und Weise diese Modelle in der Praxis technisch zu realisieren
sind. |