Kleine Zeitung, 18. November 2005
Neben Sender: Häufigkeit der Krebsfälle ist auffällig
In
Hausmannstätten häufen sich die Krebsfälle. Jetzt wird untersucht, ob ein
Zusammenhang mit einem Sender besteht, der bis 1997 aktiv war.
ROBERT ENGELE
"Ich habe beobachten können, wie rundherum die Menschen an Krebs erkrankt
sind", erzählt Marianne Sabutsch, Anrainerin des Senders auf dem Wählamt
in Hausmannstätten.
Mobilfunkanlage. Ihre Familie wohnt 50 Meter neben der
Mobilfunkanlage - und ist ebenfalls betroffen. "Zwei unserer drei Kinder
hatten direkt gegenüber dem Sender, der damals in der Höhe des ersten Stocks
war und waagrecht herüberstrahlte, ihre Zimmer. Und beide bekamen einen
Gehirntumor. Unser Sohn ist vor zwei Jahren gestorben, die Tochter hat ein Auge
verloren." Das dritte Kind und die Eltern wohnten auf der anderen Seite
und blieben verschont.
Schlafstörungen. "Ich selbst habe jahrelang unter
Schlafstörungen und einem beständigen Surren im Körper gelitten",
berichtet sie. "Aber wir haben die Störquelle im eigenen Haus gesucht.
Damals hat mich niemand ernst genommen." 1997 wurde der alte C-Netz-Sender
ein paar Meter versetzt und 16 Meter erhöht, erzählen Nachbarn. "Den jetzigen
Sender spür ich nicht", betont Marianne Sabutsch - obwohl sie den
Unterschied merkt, wenn sie in einer "ruhigen" Gegend auf Urlaub ist.
Häufigkeit. "Von der Häufigkeit der
Krebserkrankungen ist das sehr auffällig", ist Hausmannstättens
Bürgermeister Günther Köck, selbst überzeugter Handy-Verweigerer, besorgt.
"Es sind 13 oder 14 Fälle auf engstem Raum. Wir haben überhaupt das
Problem, dass auf 684 Hektar Gemeindegebiet acht oder neun Sender stehen und
zwei weitere geplant sind - das ist eine Katastrophe und auch ein großer
Wertverlust. Und wir haben fast keine Chance dagegen."
Mediziner. Der ehemalige grüne Gemeinderat Dieter
Kurz nahm schließlich Kontakt auf mit dem Salzburger Umweltmediziner Gerd
Oberfeld, weil die Gerüchte über die vielen Tumorerkrankungen kein Ende nahmen.
Das Ergebnis: Ein offizieller Auftrag der Landessanitätsdirektion, "einen
möglichen Zusammenhang mit dem ehemaligen Sender auf dem Wählamt in der
Schemmerlstraße zu untersuchen". Eine absolute Premiere, denn eine bevölkerungsbezogene
Studie über die Krebshäufigkeit an einem Ort hat es laut Oberfeld in ganz
Österreich noch nicht gegeben.
Studiengebiet. Das Studiengebiet umfasst eine
Kreisfläche mit einem Radius von 1,2 Kilometern um das Wählamt. In einem ersten
Schritt haben die Bewohner Anfang November einen Fragebogen erhalten, der für
jede Person, die zwischen 1. November 1984 und 31. Dezember 1997 im Haushalt
wohnte, ausgefüllt werden soll. Und der Umweltmediziner hofft auf rege
Beteiligung. "Denn je mehr mitmachen, desto größer ist die Aussagekraft
der Studie."
Detailstudie. Aufgrund der Angaben werden dann 100
Personen (mit und ohne Krebserkrankung) für eine Detailstudie mit persönlichem
Gespräch ausgewählt. Im März wird durch ein simuliertes Signal die Verteilung
von Funkstrahlung im Wohnbereich gemessen. Im Juli wird der Bericht der
Landessanitätsdirektion und den betroffenen Gemeinden Hausmannstätten und
Vasoldsberg übergeben.
"Es gibt diese Häufung
von Erkrankungen", bestätigt Ilse Groß, Ärztin der Landessanitäts-
direktion. "Das war auch der Ausgangspunkt der Studie. Aber das heißt noch
lange nicht, dass ein ursächlicher Zusammenhang bestehen muss." Doch auch
sie schränkt ein: "Wir wissen noch viel zu wenig über die Wirkung
elektromagnetischer Strahlen, um für die Zukunft zu lernen."