Wiener Ärztekammer warnt vor übermäßigem Handytelefonieren von Kindern
Neuer Leitlinienkatalog rät zum behutsamen Umgang mit Handys
5. August 2005
Wien (OTS) - Die Wiener
Ärztekammer warnt ausdrücklich vor übermäßigem Handytelefonieren vor allem bei
Kindern. Grundlage dafür ist die kürzlich präsentierte "Reflex-Studie", in der
eindeutig ein gentoxischer Effekt von Mobilfunkstrahlen nachgewiesen wurde. Als
erste Konsequenz daraus hat nun die Ärztekammer einen Leitlinienkatalog
erstellt, der konkrete Verhaltensregeln im Umgang mit Handys festlegt.
Die von der EU mit mehr als zwei Millionen Euro geförderte "Reflex-Studie" wurde
an mehreren bedeutenden Forschungszentren in Europa - unter anderem auch am
Wiener AKH - durchgeführt. Dabei wurde die so genannte Mutagenität einer
Substanz, in diesem Fall von elektromagnetischen Feldern, überprüft. Man
untersuchte Veränderungen in der Erbsubstanz, die der mögliche Beginn einer
Tumorerkrankung sind. Ein Teil der Tests wurde an menschlichen Promyelozyten -
einer Vorstufe von Zellen der Blutbildung - durchgeführt. Eine Mutation solcher
Zellen kann in weiterer Folge zu Leukämie und ähnlichen Erkrankungen des
blutbildenden Systems führen.
Die Ergebnisse aus dieser Studie in einem zusammenfassenden Satz: Es gibt
tatsächlich einen gentoxischen Effekt auf menschliche Zellkulturen von
Mobilfunkstrahlen in der Stärke, wie sie von jedem GSM-Handy erzeugt werden.
Erste Studien bestätigt
Schon früher zeigten
Tierversuche dosisabhängige gentoxische Wirkungen unter hochfrequenter
Strahlung. Weiters wurden in Gehirnen von Ratten nach zweistündiger
Handybestrahlung vermehrt funktionslose Nervenzellen gefunden. Zwei
epidemiologische Untersuchungen zeigten übereinstimmend ein drei- bis vierfach
erhöhtes Risiko für Hörnervtumoren nach zehnjähriger Handynutzung.
Mit der nun vorliegenden "Reflexstudie" wurde für alle diese Ergebnisse ein
zellbiologischer Zusammenhang nachgewiesen. Erik Huber, Referent für
Umweltmedizin der Ärztekammer für Wien: "Würden Medikamente dieselben
Prüfergebnisse wie Handystrahlen liefern, müsste man sie sofort vom Markt
nehmen."
Die Wiener Ärztekammer sieht sich daher veranlasst, die Bevölkerung zu mehr
Sorgfalt im Umgang mit Mobilfunkgeräten insbesondere bei Kindern aufzurufen.
Huber: "Wir müssen davon ausgehen, dass Kinder gegenüber hochfrequenter
Strahlung empfindlicher sind als Erwachsene, da der Schädelknochen dünner ist
und die kindlichen Zellen eine erhöhte Teilungsrate, in der sie auf gentoxische
Effekte empfindlicher sind, aufweisen."
Daher habe man sich entschlossen, dem Beispiel des britischen
Gesundheitsministeriums und des dänischen Gesundheitsrates zu folgen und auch in
Österreich vor übermäßigem Handytelefonieren insbesondere von Kindern zu warnen.
Die folgenden Leitlinien für mobiles Telefonieren sollen „ausdrücklich nicht nur für Kinder" gelten:
Ø Kinder unter 16 Jahren sollten Handys nicht benutzen.
Ø Nur in dringenden Fällen und dann nur kurz telefonieren.
Ø Handy in der Hosentasche und auch SMS-Versenden unter der Schulbank kann die Fruchtbarkeit beeinträchtigen und sollte daher gänzlich unterlassen werden.
Ø Beim Versenden von SMS das Handy vom Körper fernhalten.
Ø Handy nachts ausschalten - wenn eingeschaltet, nicht in Kopfnähe aufbewahren.
Ø Nicht in Fahrzeugen (Auto, Bus, Bahn) telefonieren, da hier das Handy mit höherer Leistung strahlt.
Ø Auch Headsets sind nicht empfehlenswert, da das Kabel häufig wie eine Antenne das Signal weiterleitet.
Ø Keine Spiele am Handy spielen.
Ø Handy während des Gesprächsaufbaus nicht an den Kopf halten. - Ein paar Meter Abstand von anderen Personen halten, sie werden mitbestrahlt.
Ø Weniger Handytelefonate bedeuten weniger Strahlung von Handymasten.
Ø Internet nur über Kabelverbindungen - UMTS und WLAN führen zu hohen Strahlenbelastungen.