(SN-kli, APA). Das Telefonieren mit einem Handy ist
„möglicherweise krebserregend“. Zu diesem Schluss kommt
eine Expertenkommission der Internationalen
Krebsforschungsagentur IARC, dem Krebsforschungsinstitut
der WHO, am Dienstag in Lyon. Die 31 Fachleute aus 14
Ländern hatten eine Woche lang nahezu sämtliche
verfügbaren wissenschaftlichen Untersuchungen zum Thema
Krebs durch Rundfunk- und Handystrahlung ausgewertet. Im
Ergebnis stufen die Experten hochfrequente
elektromagnetische Strahlung, wie sie von Handys, aber
auch von Rundfunk und Radar verwendet werden, als
„möglicherweise krebserregend“ („possibly carcinogenic“)
ein. 2010 sah das die WHO noch ganz anders: Eine
Verbindung zwischen der Nutzung von Mobiltelefonen und
einer erhöhten Krebsgefahr konnte damals nicht
festgestellt werden.
Oberfeld: „Mobilfunk ist gefährlich“
Dem Salzburger Umweltmediziner Gerd Oberfeld gehen die Erkenntnisse der Studie noch nicht weit genug. Für den Referenten der Österreichischen Ärztekammer steht fest, dass übermäßige Handynutzung gesundheitsbedrohlich und sogar tödlich sein kann. „Wir sind erst am Beginn zu realisieren, wie gefährlich Mobilfunk eigentlich ist“, sagt Oberfeld. Für die Präventionsarbeit sei die neue WHO-Studie jedoch hilfreich: „In der Öffentlichkeit hat das Urteil sicher eine große Wirkung. Es ist ein Warnschuss.“Kürzere Telefonate, Handy auch einmal abschalten
Es brauche eine Bewusstseinsveränderung in der Bevölkerung. „Ein Handy ist eine Hochfrequenz-Quelle“, so der Umweltmediziner. Je länger ein Telefonat dauere, umso höher sei die abgegebene Strahlung. Der Rat des Experten: Kürzere Telefonate. „Wer sich stundenlang das Handy an den Kopf hält, ist extrem hohen Strahlungsdosen ausgesetzt“, erklärt Oberfeld. Für den Mediziner ist es sicher, dass häufiger Gebrauch von Mobiltelefonen das Risiko von Hirntumoren erhöhe. Kinder seien besonders gefährdet: „Je jünger der Benutzer, desto höher ist das Risiko für eine Krebserkrankung.“ Überhaupt solle sich jeder Handy-Besitzer fragen, ob er wirklich rund um die Uhr erreichbar sein muss. Vor allem in der Nacht sollte man sein Mobiltelefon auch einmal abschalten. Langjährige Nutzung steigere jedenfalls das Krebsrisiko.Ebenso problematisch: Das Herumtragen des Handys in der Hosentasche. „Bei Männern wirkt sich das auf die Fruchtbarkeit aus. Die Spermien werden langsamer“, sagt Oberfeld. Ein weiterer Tipp des Experten: Vom GSM-Netz auf UMTS wechseln. „Im UMTS-Netz ist die Hochfrequenz-Strahlung um etliches geringer“. Dennoch: „Am sichersten ist und bleibt das gute alte Schnurtelefon“, lacht Oberfeld.
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