Ö S T E R R E I C H I S C H E  Ä R Z T E K A M M E R

Körperschaft öffentlichen Rechts

 

Mitglied der World Medical Association

 

Österreichischer Verband für Elektrotechnik (ÖVE)

Eschenbachgasse 9, 1010 Wien

zHd Frau Mag. Zbiral

per e-mail s. zbiral@ove.at

 

Österreichisches Normungsinstitut (ON)

Heinestraße 38, 1020 Wien

zHd Herrn Dr. Karl Grün

per e-mail karl.gruen@on-norm.at

 

WIEN, I.,

Weihburggasse 10 - 12

Postfach 213

1011 WIEN

 

Unser Zeichen: ak Ihr Schreiben vom: Ihr Zeichen: Wien, am 29.September 2005

Betrifft: Einspruch der Österreichische Ärztekammer zur Verabschiedung der Vornorm

ÖVE/ÖNORM E 8850 vom 1.8.2005.

 

Sehr geehrter Herr Dr. Grün,

sehr geehrte Frau Mag. Zbiral!

 

Die Österreichische Ärztekammer erhebt Einspruch gegen die Verabschiedung des vorliegenden

Entwurfs der Vornorm ÖVE/ÖNORM E 8850 vom 1.8.2005

 

Der Einspruch wird wie folgt begründet:

 

1. Unter Punkt 1 Anwendungsbereich ist der Zweck der Norm wie folgt definiert:

„Zweck der vorliegenden Bestimmung ist es, Grenzwerte für die Exposition durch

elektrische, magnetische und elektromagnetische Felder (EMF) festzulegen, deren

Einhaltung Schutz gegen bekannte schädliche Effekte auf die Gesundheit bietet.

Das Schutzziel soll durch die Vorgabe von Basisgrenzwerten und Referenzwerten

erreicht werden.“

Nun sind die im Entwurf definierten Basisgrenzwerte und Referenzwerte zum Teil

um Größenordnungen über jenen Expositionen, bei denen in der Literatur in substantiellen

Umfang und Qualität eine Reihe von schädliche Effekten auf die Gesundheit,

oder besser gesagt Krankheiten dokumentiert sind. Es stellt sich die Frage,

welchen Wert ein Dokument hat, das nachweislich die bestehende Evidenz negiert.

 

2. Eine wissenschaftliche Diskussion über fachlich und sachlich notwendige alternative

Grenzwertkonzepte war für die Österreichische Ärztekammer in der Arbeitsgruppe

nicht möglich, da vor der Aufnahme des Vertreters der Österreichischen Ärztekammer

eine Orientierung an den Vorschlägen von ICNIRP bereits vor zwei Jahren

beschlossen worden war.

 

3. Das Dokument orientiert sich an den Vorschlägen der ICNIRP aus 1998 und entspricht

daher nicht dem Stand der medizinischen Wissenschaften und Erfahrungen.

Die Referenzwerte des Dokumentes sind in keiner Weise geeignet, den erforderlichen

Schutz der individuellen und öffentlichen Gesundheit zu garantieren. Vielmehr

besteht Grund zur Annahme, dass Öffentlichkeit und Politik auf ein fachlich unzureichendes

Dokument vertrauen und damit erforderliche Maßnahmen zur Expositionsvermeidung

und Reduktion unterbleiben.

 

4. Die IARC stufte im Juni 2001 niederfrequente magnetische Wechselfelder aufgrund

der epidemiologischen Evidenz bei kindlichen Leukämien als „possible human carcinogen“

ein. Aufgrund der Bestätigung der karzinogenen Wirkung durch aktuelle

Tierversuche [Löscher 2004] ist eine Verschärfung der Einstufung als definitives

Karzinogen, wie im Bericht des California Departments of Health vom Juni 2002

angeführt, angezeigt. Risikoerhöhungen bei kindlichen Leukämien wurden etwa bei

Mittelwerten von etwa 200 nT (50/60 Hz) gefunden. Die Vornorm ÖVE/ÖNORM E

8850 sieht zum „Schutz“ der Allgemeinbevölkerung einen Referenzwert von

100.000 nT vor.

 

5. Aktuelle Untersuchungen des REFLEX Projektes zeigen bei verschiedenen Zellen

(in vitro) bei Einhaltung der Referenzwerte dieser Vornorm ÖVE/ÖNORM E 8850

sowohl für niederfrequente magnetische Wechselfelder als auch für hochfrequente

elektromagnetische Wellen im Frequenzbereich des Mobilfunks unter anderem Einzel-

und Doppelstrangbrüche der Chromosomen, also gentoxische Effekte. Diese

Ergebnisse werden durch Tierversuche (in vivo) bestätigt und unterstützt.

 

6. Die ärztliche Erfahrung zeigt, dass immer mehr Menschen bei gewissen umweltbezogenen

Feldeinwirkungen mit zum Teil ernsthaften Störungen des Regulationssystems

und der Ausbildung von Krankheiten reagieren. Diese Erfahrungen werden

durch epidemiologische Untersuchungen unterstützt. Diese Tatsachen werden in

der Vornorm ÖVE/ÖNORM E 8850 nicht berücksichtigt.

 

7. Eine Unterstützung der Vornorm ÖVE/ÖNORM E 8850 wird aus haftungsrechtlichen

Überlegungen abgelehnt, da nicht ein Dokument mitgetragen werden kann,

das offensichtlich die erforderlichen Schutzerwartungen nicht erfüllt.

 

8. Aus ärztlicher Sicht benötigen wir in Österreich eine offene, ernsthafte, den Prinzipien

der Gesundheit verpflichtete Diskussion mit der Festlegung von verbindlichen

Referenzwerten auf einem hohen Schutzniveau. Es wird angeregt eine entsprechende

Arbeitsgruppe im Rahmen der österreichischen Akademie der Wissenschaften

einzurichten.

Mit freundlichen Grüßen

 

gez. Präs. Dr. Othmar Haas eh. Dr. Reiner Brettenthaler

Leiter des Referates Umweltmedizin Präsident

 

 

GRENZWERTE, Empfehlungen und Effekte für gepulste elektromagnetische Mobilfunkwellen im Vergleich

 

Strahlungswerteangaben (Leistungsflußdichte) jeweils in Mikrowatt pro Quadratmeter = µW/m², Stand Jänner 2004
(Quelle: Baubiologie Maes, u. a.)

 

WHO u. ICNIRP = Internationale Kommission zum Schutz vor nicht - ionisierender Strahlung bzw. EU-Rats-Empfehlung                                                        

UMTS-2000: 10.000.000 µW/m2

GSM-1800: 9.000.000µW/m2

GSM- 900: 4.500.000 µW/m2

                                                       

Deutschland (26. BImSchV, 1997) und

Österreich Vornorm ÖVE/ÖNORM  E 8850 (ex 2006):  

UMTS-2000: 10.000.000 µW/m2                 

GSM-1800 : 9.000.000 µW/m2

GSM-900: 4.500.000 µW/m2

 

Salzburger Vorsorgewert (ex 2002) in Gebäuden 

Frequenzunabhängig, Summe aller Anlagen     

1 µW/m2

außerhalb von Gebäuden

Frequenzunabhängig, Summe aller Anlagen     

10µW/m2

 

Schweiz                                          

GMS-1800                                     

95.500 µW/m2

GSM-900                                       

42.4000 µW/m2                             

 

Italien                                            

frequenzunabhängig                         

100.000 µW/m2                             

Qualitätsziel je Anlage                     

1 µW/m2

 

Ungarn, Polen, Bulgarien, Russland, China (für die Summe aller Anlagen)            

100.000 µW/m2

 

Ehemalige Sowjetunion

20.000 µW/m2

 

unter 0,001 µW/m2 :  Optimale Funktion eines Handys (Mobiltelefons) gewährleistet!

 

< 0,000.001 µW/m2 natürliche Hintergrundstrahlung auf der Erde!

 

> 100.000 µW/m2 Mobilfunkbasisstation in 15-20 m (Maes, Merkel u.a.1994-2002), 50 m:5-20.000,

                                                                   in 100m: 1-5.000, in 500m: 0,1-500µW/m2 (Sichtkontakt)

                                                             

> 100.000 µW/m2 DECT -Schnurlostelefon Basisstation in 30-50cm (Maes 1996-2002), in 1m: 10.000-

                                                                                   40.000, in 5m: 400-1600,in 20 m: 25-100µW/m2

Effekte mit Angabe der jeweiligen Studie samt Jahr der Veröffentlichung in Klammer:

 

20.000 µW/m2   Direkter Effekt auf Ionenkanäle von Zellen( D´Inzeo 1988)

13.000 µW/m2   Doppelte Zunahme von Leukämien bei Erwachsenen (Dolk 1997)

10.000 µW/m2   Schädigung von Hirnnervenzellen bei Ratten ( Salford u.a.2003)

                           DNA-Schäden (Phillips 1998,Verschave 1994,Lai 1996 u. a.)

                           Störung des Immunsystems bei Mäusen (Fresenko 1999)

                           Stimulation von T-Zellen u. Makrophagen (Novoselova 1999)

1.000-

5.000 µW/m2    Öffnung der Blut-Hirnschranke bei Ratten (Salford 1999,u.a.)

1.600 µW/m2    Unfruchtbarkeit bei Mäusen nach 6 Monaten (Magras u.a.19997)

1.000 µW/m2    Im EEG nachweisbare Hirnstromveränderungen (v. Klitzing u.a.)

                          Störungendes Immunsystems (Bruvere 1988 u.a.)

800 µW/m2       Calcium –Ionen -Veränderungen in der Zelle (Schwartz 1990 u.a.) 

500 µW/m2       Kopfschmerzen und Veränderungen im Nervensystem (Navarro 2002)

200 µW/m2       Störungen an Zellmembranen (Marinelli 1999)

100 µW/m2       Fa. BMW für seine weltweit tätigen MitarbeiterInnen bei DECT-Basistationen

 

bis 10 µW/m2    Bewertung ÖKO -Test 4/2001 als niedrige Belastung,

                           Beeinflussung des Wachstums von Hefezellen

10-100 µW/m2  mittlere Belastung,

 > 100 µW/m2   hohe Belastung (Absprache mit Maes, Dr. v. Klitzing, Prof. Käs (Uni

                           Bundeswehr Neubiberg)

 

0,2 µW/m2         Gesundheitsschädigung von Säugetieren (Lundquist/BEMS 2002)

0,01 µW/m2       Baubiologie für Schlafbereich( Maes/IBN 2003)

                           Landessanitätsdirektion  Salzburg für DECT -Telefone (2002)

                           Veränderte Kalziumabgabe menschlicher Hirnzellen ( Bahmeier)

                           Sonneneinstrahlung auf die Erde, nicht gepulst (Leitgeb u .a.)